Knowledge Hub · Optionen & Strategien ·
Wheel-Strategie einfach erklärt: Optionen im Kreislauf
Wheel-Strategie einfach erklärt: wie sich ein verkaufter Put und ein verkaufter Call abwechseln, wie die Prämien wirken und wo Verluste und Grenzen liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zuerst wird ein Put verkauft, und das Geld für den Kauf der Aktien zum Ausübungspreis liegt bereit.
- Liegt der Kurs bei Verfall unter dem Ausübungspreis, werden die Aktien in der Regel zugeteilt, und der Einstandspreis sinkt um die erhaltene Prämie, doch das Kursrisiko bleibt.
- Danach wird auf die Aktien ein Call verkauft; liegt der Kurs bei Verfall über dessen Ausübungspreis, werden die Aktien in der Regel abgegeben, und der weitere Kursgewinn entgeht.
- Fällt die Aktie stark, mindern die Prämien den Kursverlust nur zum Teil; im Extremfall geht fast der ganze eingesetzte Betrag verloren.
Die Wheel-Strategie verbindet zwei Optionsgeschäfte zu einem Kreislauf. Zuerst wird ein Put verkauft, später ein Call auf die gekauften Aktien. Mit jeder verkauften Option erhält die verkaufende Seite eine Prämie. Der Gewinn bleibt aber begrenzt, und fällt die Aktie stark, trägt die verkaufende Seite den Verlust fast vollständig.
Der Name kommt vom englischen Wort für Rad, denn die Schritte drehen sich im Kreis. Die Grundlagen erklärt der Beitrag darüber, was Call und Put bedeuten.
Kurz erklärt
Option
Prämie
Ausübungspreis (Strike)
Zuteilung
Was ist die Wheel-Strategie?
Die Wheel-Strategie ist kein eigenes Produkt, sondern eine Abfolge zweier bekannter Bausteine: erst ein gedeckter Put, dann ein gedeckter Call. Gedeckt heisst: Wer die Pflicht übernimmt, kann sie auch erfüllen. Beim Put liegt das Geld für den Kauf bereit, beim Call liegen die Aktien im Depot.
Beide Bausteine passen zu einem Kurs, der etwa gleich bleibt oder leicht steigt. Der Options Industry Council (OIC) nennt eine Voraussetzung: die Bereitschaft, die Aktie zum Ausübungspreis zu besitzen. Der OIC ist ein Bildungsangebot der OCC, einer US-Stelle, die Optionsgeschäfte abwickelt.
Der Ablauf in vier Schritten
- Ein Put wird verkauft. Das Geld für den Kauf der Aktien liegt bereit.
- Kurs bei Verfall über dem Ausübungspreis: Der Put verfällt, die Prämie bleibt, weiter mit Schritt 1. Kurs darunter: Die Aktien werden zugeteilt.
- Auf die Aktien wird ein Call verkauft.
- Kurs bei Verfall über dem Ausübungspreis: Die Aktien werden abgegeben, das Rad beginnt von vorn. Kurs darunter: Die Aktien bleiben im Depot, ein neuer Call folgt.
Phase 1: Put verkaufen
Fachleute nennen diesen Schritt Cash-Secured Put (gedeckter Put). Bereit liegt der Ausübungspreis mal die Anzahl Aktien eines Kontrakts, also eines Optionsvertrags. Diese Zahl hängt von der Aktie ab. An der Eurex, einer Börse für Optionen auf Schweizer Aktien in Franken, sind es bei Nestlé 100 und bei Swisscom 10 (Stand: 27. Oktober 2026).
Phase 2: Call auf die eigenen Aktien
Nach einer Zuteilung wird auf die Aktien ein Call verkauft, ein gedeckter Call oder Covered Call. Die Aktien müssen dafür frei verfügbar sein. Der Gewinn ist auf den Anstieg bis zum Ausübungspreis begrenzt. Den Baustein für sich allein zeigt der Beitrag darüber, wie eine Covered-Call-Strategie funktioniert.
Was passiert bei der Zuteilung?
Übt ein Käufer seinen Put aus, wählt die Abwicklungsstelle Eurex Clearing per Zufall eine verkaufende Seite aus. Infrage kommen alle offenen verkauften Positionen derselben Optionsserie, also mit gleicher Optionsart, gleichem Basiswert, Ausübungspreis und Verfall. Die zugeteilte Seite muss die Aktien zum Ausübungspreis abnehmen. Die Bank bucht sie ins Depot ein, bei Nestlé-Optionen zwei Börsentage nach der Ausübung.
Der Einstandspreis, also was die Aktien unter dem Strich kosten, ist der Ausübungspreis minus die erhaltene Prämie. Ab jetzt trägt die verkaufende Seite das volle Kursrisiko der Aktie.
Die Zuteilung kann auch früher kommen. Aktienoptionen der Eurex sind grundsätzlich amerikanisch: Sie lassen sich an jedem Handelstag bis zum Verfall ausüben. Europäische Optionen gehen nur am Verfalltag. Beim Call kann eine frühe Ausübung vor allem rund um Dividendentermine vorkommen. Dann entgeht der verkaufenden Seite die Dividende.
Ohne Lieferung gibt es kein Rad. Optionen auf den Swiss Market Index (SMI) werden bar ausgeglichen, Aktien werden keine eingebucht. An der Eurex gibt es aber auch Optionen auf börsengehandelte Fonds (ETF), bei denen Fondsanteile geliefert werden.
Neben börsengehandelten Optionen gibt es Warrants. Diese Wertpapiere gibt ein Herausgeber (Emittent) aus, der selbst die Stillhalterrolle übernimmt. Für die Wheel-Strategie braucht es dagegen börsengehandelte Optionen, die sich selbst verkaufen lassen, wie an der Eurex.
Rechenbeispiel: ein voller Kreislauf in CHF
Zahlenbeispiel (Illustration)
Frei gewählte Werte je Aktie. Angenommen wird ein Kontrakt über 100 Aktien. Kosten, Steuern und Dividenden bleiben weg.
- Start: Die Aktie steht bei 100. Verkauft wird ein Put mit Ausübungspreis 95 und Prämie 2, also CHF 200. Für den möglichen Kauf liegen CHF 9'500 bereit.
- Fall A, Kurs bei Verfall über 95: Der Put verfällt. Die CHF 200 bleiben, und das Rad beginnt von vorn.
- Fall B, Kurs bei Verfall 90: Die Aktien werden zu 95 zugeteilt, der Einstandspreis liegt bei 93. Zum Kurs von 90 entsteht ein Buchverlust von CHF 300, ein Verlust auf dem Papier.
- Fall B, Phase 2: Verkauft wird ein Call mit Ausübungspreis 95 und Prämie 1,50, also CHF 150. Steigt der Kurs bis zum Verfall auf 100, werden die Aktien zu 95 abgegeben. Der Kreislauf ergibt CHF 350, die Summe beider Prämien von 3,50 je Aktie.
- Fall C, Kurs nach der Zuteilung 60: Die Aktien bleiben im Depot. Bei einem Einstand von 93 entsteht ein Buchverlust von 33 je Aktie oder CHF 3'300.
- Extremfall, Kurs 0: Die Aktie wird wertlos. Der Verlust beträgt 93 je Aktie oder CHF 9'300, vor allfälligen Call-Prämien.
Im Rechner unten lassen sich beide Phasen durchspielen. Die Gewinnschwelle ist der Kurs, bei dem weder Gewinn noch Verlust entsteht. Sie liegt in Phase 1 bei 93. In Phase 2 liegt sie bei 93,50, weil der Rechner dort die Put-Prämie nicht enthält. Mit der Put-Prämie läge sie bei 91,50. In beiden Phasen ist der Gewinn auf die Prämie begrenzt.
Zahlenbeispiel (Illustration) · interaktiv
In beiden Phasen ist der Gewinn begrenzt, der mögliche Verlust viel grösser
Startwerte wie im Rechenbeispiel: Aktie bei 100, Put mit Ausübungspreis 95 und Prämie 2, nach einer Zuteilung Call mit Ausübungspreis 95 und Prämie 1,50. Alle Werte je Aktie; für einen Kontrakt über 100 Aktien mal 100 rechnen. Phase wählen und den Kurs bei Verfall verschieben.
Ausgangslage: Aktie bei 100, das Geld für den Kauf zu 95 liegt bereit. Liegt der Kurs bei Verfall unter 95, folgt die Zuteilung und damit Phase 2.
Gewinnschwelle: 93 · Prämie erhalten: 2
- Short Put 95+2+2
Je Einheit des Basiswerts, bei Verfall, ohne Kosten, Dividenden und Steuern. Erfundene Werte, keine Marktdaten, keine Empfehlung.
Eigene Modellrechnung der Redaktion, erfundene Werte, je Aktie.
Ergebnisse des Zahlenbeispiels oben, frei gewählte Werte:
| Fall | Kurs | Was geschieht | Ergebnis je Aktie | Für 100 Aktien (CHF) |
|---|---|---|---|---|
| A | über 95 bei Verfall des Puts | Put verfällt | +2 | +200 |
| B, Phase 1 | 90 bei Verfall des Puts | Zuteilung zu 95, Einstand 93 | −3 (Buchverlust) | −300 |
| B, ganzer Kreislauf | 100 bei Verfall des Calls | Abgabe zu 95 | +3,50 | +350 |
| C | 60 nach der Zuteilung | Aktien bleiben im Depot | −33 (Buchverlust) | −3'300 |
| Extremfall | 0 | Aktie wertlos | −93 | −9'300 vor allfälligen Call-Prämien |
Was passiert, wenn der Kurs stark fällt?
Fall C zeigt die Schwäche des Rads. Nach der Zuteilung fällt die Aktie auf 60. Bei einem Einstand von 93 beträgt der Buchverlust 33 je Aktie oder CHF 3'300, die Put-Prämie ist schon eingerechnet. Wird die Aktie wertlos, sind es CHF 9'300 abzüglich allfälliger Call-Prämien: der Ausübungspreis mal 100 Aktien, minus die Put-Prämie.
Nach dem Kurssturz auf 60: drei Wege in Phase 2
Die Prämie senkt den Einstandspreis, aber sie schützt nicht vor einem Kurssturz.
Der Gewinn bleibt nach oben begrenzt
Auch der gute Fall hat einen Preis. In Fall B steigt die Aktie von 90 auf 100, doch mit dem Call werden die Aktien zu 95 abgegeben. Der Anstieg darüber entgeht: 5 je Aktie oder CHF 500. Die Call-Prämie von CHF 150 gleicht davon nur einen Teil aus.
Je stärker der Kurs über den Ausübungspreis steigt, desto mehr Gewinn entgeht. So entsteht eine Schieflage: Der mögliche Gewinn ist klein und begrenzt, das Verlustrisiko entspricht dagegen weitgehend dem einer gehaltenen Aktie.
Risiken und Grenzen
Mit der Wheel-Strategie sind hohe Verluste möglich, bis nahe an den ganzen eingesetzten Betrag.
- Kein Schutz vor Kursverlusten: Fällt die Aktie unter den Ausübungspreis, drohen erhebliche Verluste. Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) hält in ihrer Risikobroschüre vom Juni 2023 fest: «Bei den Stillhaltergeschäften besteht keine Absicherung gegen Kursverluste des Basiswerts.»
- Kein garantierter Ertrag: Der OIC schreibt in seiner Zusammenfassung zur Wheel-Strategie vom Juni 2026: «Prämien einzunehmen garantiert kein gewinnbringendes Ergebnis.» Warum solche Zahlungen nicht von selbst gesichert sind, zeigt der Beitrag über regelmässiges Einkommen aus Dividende, Zins und Optionsprämie.
- Begrenzter Gewinn, eine Aktie: Kursgewinne über dem Ausübungspreis des Calls entgehen, und das Ergebnis hängt an einer einzigen Aktie.
- Gebundenes Geld: Das Geld liegt während der Laufzeit bereit oder steckt in den Aktien. Wer Optionen verkauft, hinterlegt Sicherheiten, deren Höhe die Bank festlegt. Wer Puts ohne den vollen Kaufbetrag verkauft, kann mehr verlieren als die hinterlegten Sicherheiten. Reichen die Sicherheiten nicht, kann die Bank weitere verlangen oder die Position schliessen.
- Ausübung zur Unzeit: Amerikanische Optionen können jederzeit ausgeübt werden, auch in sehr ungünstigen Marktlagen.
- Gegenpartei: Bei Börsenoptionen steht die zentrale Clearingstelle, an der Eurex die Eurex Clearing, zwischen Käufer und Verkäufer. Bei Warrants ist der Emittent selbst die Gegenpartei; fällt er aus, kann ein Verlust entstehen.
- Schwer verkäufliche Aktien: Nach einer Zuteilung müssen die Aktien auch dann übernommen werden, wenn sie sich nur mit grossem Verlust oder gar nicht verkaufen lassen.
- Schwankende Preise: Ein Teil der Prämie ist Zeitwert. Er hängt von der Restlaufzeit und der Schwankung des Kurses ab, darum ändern sich Optionspreise laufend. Mehr dazu im Beitrag darüber, wie Kurs, Zeit und Schwankung den Optionspreis bewegen.
- Kosten und Aufwand: Bankgebühren, die Geld-Brief-Spanne (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) und Börsengebühren, auch bei der Ausübung, schmälern das Ergebnis. Beide Schritte verlangen laut OIC eine laufende Überwachung.
Steuern in der Schweiz (Stand: 27. Oktober 2026): Bei der direkten Bundessteuer zählen Optionsprämien für Privatpersonen grundsätzlich nicht zum steuerbaren Einkommen. So steht es im Kreisschreiben Nr. 15 der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) vom 3. Oktober 2017. Verluste aus Optionen im Privatvermögen sind steuerlich nicht abziehbar. Das Kreisschreiben Nr. 36 vom 27. Juli 2012 nennt aber fünf Kriterien. Sind alle zusammen erfüllt, geht die ESTV in jedem Fall von privater Vermögensverwaltung aus. Eines lautet: Optionen dienen nur der Absicherung eigener Wertschriften. Wer sie anders einsetzt, erfüllt dieses Kriterium nicht. Ob dann gewerbsmässiger Wertschriftenhandel vorliegt, also keine private Vermögensverwaltung mehr, wird im Einzelfall beurteilt. Persönliche Lage und kantonale Praxis können abweichen.
Fazit
Die Wheel-Strategie verbindet einen verkauften Put und einen verkauften Call auf dieselbe Aktie zu einem Kreislauf. Im Beispiel bringen beide Prämien zusammen CHF 350, wenn die Aktien wieder zum Ausübungspreis abgegeben werden. Fällt die Aktie auf 60, bleibt trotzdem ein Buchverlust von CHF 3'300. Steigt sie stark, entgeht der Gewinn über dem Ausübungspreis des Calls. Das Risiko gleicht damit weitgehend dem Halten der Aktie, bei begrenztem Gewinn.
Fragen & Antworten
Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.
Wie viel Kapital bindet die Wheel-Strategie?
So viel, wie der Kauf der Aktien zum Ausübungspreis kostet: Ausübungspreis mal Anzahl Aktien. Im Beispiel sind das CHF 9'500 für 100 Aktien. Das Geld bleibt während der Laufzeit des Puts gebunden und steckt nach einer Zuteilung in den Aktien.
Lässt sich die Wheel-Strategie auch mit ETFs umsetzen?
Nur mit Optionen, bei denen Fondsanteile geliefert werden. Solche ETF-Optionen gibt es an der Eurex. Optionen auf den Swiss Market Index (SMI) werden dagegen bar ausgeglichen; dann werden keine Anteile eingebucht, und die zweite Phase entfällt.
Kann die Zuteilung schon vor dem Verfall kommen?
Ja, bei amerikanischen Optionen. Sie lassen sich an jedem Handelstag bis zum Verfall ausüben. Beim Call kann das vor allem rund um Dividendentermine geschehen. Dann entgeht der verkaufenden Seite die Dividende.
Bringt die Wheel-Strategie ein regelmässiges Einkommen?
Nicht verlässlich. Jede verkaufte Option bringt zwar eine Prämie, aber Kursverluste der Aktie können die Prämien deutlich übersteigen. Laut Options Industry Council garantiert das Einnehmen von Prämien kein gewinnbringendes Ergebnis.
Was unterscheidet die Wheel-Strategie von einem einzelnen Covered Call?
Ein Covered Call setzt voraus, dass die Aktien schon im Depot liegen. Die Wheel-Strategie beginnt mit Geld und einem verkauften Put und kommt erst nach einer Zuteilung zum Call.
Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
Die Inhalte berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele oder Ihre Risikobereitschaft. Lassen Sie sich vor einem Anlageentscheid von einer Fachperson beraten.
Anlagen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Prognose.
Angaben Dritter stammen aus als zuverlässig erachteten Quellen; für ihre Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen. Marktdaten beziehen sich auf den angegebenen Datenstand und können sich seither verändert haben.

