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Schwarzer Montag 1987: Was man über die Ursachen weiss

Schwarzer Montag 1987: Der Dow Jones verlor an einem Tag 22,6%. Wir ordnen ein, was als Ursache gilt und welche Rolle automatische Verkäufe spielten.

Schwarzer MontagBörsencrash 1987Portfolio Insurance8 Min. Lesezeit

Von NextIncome Research · Datenstand 2. November 2026

Das Wichtigste in Kürze

  1. Am 19. Oktober 1987 verlor der Dow Jones 22,6% und schloss 508 Punkte tiefer. Laut Federal Reserve ist das bis heute der grösste Eintagesrückgang der US-Börsengeschichte.
  2. Portfolio Insurance ist keine Versicherung, sondern eine Handelsstrategie ohne Garantie: Ein Computermodell verlangt bei fallenden Kursen weniger Aktien, oft umgesetzt mit Index-Futures.
  3. Laut Brady-Bericht, zitiert in einer Studie des Federal Reserve Board, stammten rund 40% der Futures-Verkäufe von Händlern ohne Market-Maker-Rolle am 19. Oktober von Portfolio-Versicherern.
  4. Die Gewichtung der Ursachen bleibt umstritten: Die US-Börsenaufsicht SEC sah mögliche Schäden durch Portfolio Insurance, das Komitee der Terminbörse CME sah einen deutlichen Beitrag, aber nur eine von vielen Verkaufsquellen.

Am 19. Oktober 1987, dem Schwarzen Montag (englisch Black Monday), verlor der Dow Jones Industrial Average 22,6%. Er schloss 508 Punkte tiefer, laut Federal Reserve der grösste Eintagesrückgang der US-Börsengeschichte. Eine Rolle spielte dabei eine automatische Verkaufsstrategie namens Portfolio Insurance. Wie gross diese Rolle war, ist bis heute umstritten. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Datenstand: 2. November 2026.

Kurz erklärt

Dow Jones

Ein Index, also eine Kennzahl, die die Kurse von 30 grossen US-Unternehmen zusammenfasst. Der S&P 500 fasst 500 Unternehmen zusammen.

Portfolio Insurance

Eine Strategie, die Verluste in fallenden Märkten begrenzen soll. Ein Computermodell legt fest, wie viel Geld in Aktien und wie viel in Bargeld steckt. Fallen die Kurse, verlangt es weniger Aktien. Eine Versicherung im rechtlichen Sinn ist das nicht, sondern eine Handelsstrategie ohne Garantie.

Index-Future

Ein Vertrag, heute einen Preis für einen Kauf oder Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt festzulegen. Beim Index-Future ist die Grundlage ein Aktienindex wie der S&P 500.

Brady-Kommission

Offiziell Presidential Task Force on Market Mechanisms: eine Untersuchungskommission, die nach dem Crash die Abläufe an den Märkten prüfte. Ihr Bericht heisst Brady-Bericht.

Market Maker und Specialist

Händler, die laufend Kauf- und Verkaufspreise nennen. An der New Yorker Börse hiessen sie Specialists.

Schwarzer Montag 1987 in Zahlen

Die Zahlen hängen davon ab, welchen Markt man misst. Schon in der Woche bis zum 16. Oktober hatte der S&P 500 mehr als 9% verloren.

GrösseWertQuelle
Dow Jones, 19.10.1987−22,6%, 508 PunkteFederal Reserve History
Dow, S&P 500, Wilshire 5000 (breiter US-Aktienindex), 19.10.1987−18% bis −23%Federal Reserve Board (Carlson), zitiert Brady-Bericht
S&P-500-Futures, 19.10.1987−29%Federal Reserve Board (Carlson), zitiert SEC
S&P 500, Woche bis 16.10.1987mehr als −9%Federal Reserve Board (Carlson)
Dow, 20./21.10.1987+288 Punkte, 57% des Verlusts, in zwei HandelstagenFederal Reserve History

Die Erholung kam schnell: Die Höchststände von vor dem Crash übertraf der Dow in weniger als zwei Jahren.

Wie funktioniert Portfolio Insurance?

Sinken die Kurse, verlangt das Computermodell weniger Aktien im Portfolio, es wird also verkauft. So soll der Verlust begrenzt werden.

Viele Versicherer verkauften keine Aktien, sondern Index-Futures. Das war günstiger, und manche konnten die Aktien ihrer Kunden gar nicht handeln. Ein verkaufter Future wirkt ähnlich wie ein Teilverkauf des Portfolios.

Zahlenbeispiel (Illustration)

Ein erfundenes Portfolio ist CHF 100 Mio. wert. Das Modell folgt einer frei gewählten Regel: Pro 5 Punkte Rückgang des Index sinkt der Aktienanteil um 20 Prozentpunkte.

IndexstandAktienanteilZusätzlicher Verkauf
100100%–
9580%CHF 20 Mio.
9060%CHF 20 Mio.

Fällt der Index von 100 auf 90, werden insgesamt CHF 40 Mio. verkauft, und das gerade dann, wenn der Markt ohnehin fällt. Die Werte sind vereinfacht, ohne Kosten und ohne den Kursverlust im Portfolio selbst.

Die Strategie verkauft also in fallenden Märkten. Wenn viele Marktteilnehmende derselben Regel folgen, treffen ihre Verkäufe gleichzeitig auf den Markt.

Verkaufsspirale und Mängel der Börsentechnik

Die verbreitetste Erklärung heisst Kaskadentheorie, so fasst es die Federal Reserve Bank of Boston 1993 zusammen. Zuerst fallen die Kurse aus guten Gründen. Dann reagieren die Futures wegen der Portfolio Insurance über. Sie werden billiger als die Aktien, die sie abbilden. Händler kaufen darauf die günstigen Futures und verkaufen die teureren Aktien. Das nennt man Indexarbitrage. So wandert der Druck in den Aktienmarkt, und weitere Verkäufe folgen.

Dazu kam die Technik der Börsen. Laut SEC-Bericht, wiedergegeben in der Carlson-Studie, eröffneten am Morgen des 19. Oktober 95 Aktien des S&P 500, zusammen 30% des Indexwerts, bis 10 Uhr nicht. Die Kurse waren dadurch veraltet. Käufe und Verkäufe von Aktien wurden erst nach drei Tagen abgewickelt, bei Optionen und Futures nach einem Tag. Die Börsen konnten zudem grosse Verkaufswellen nicht anhalten. Am 20. Oktober stellten die Specialists laut Brady-Bericht, wiedergegeben in der Carlson-Studie, den Handel in rund 7% der Aktien ein. Wie ein Orderbuch Aufträge ordnet und was bei dünnem Handel geschieht, erklärt der Beitrag zur Geld-Brief-Spanne.

Was war die Ursache?

Die Federal Reserve nennt ein Bündel: hohe internationale Investitionen in den US-Märkten, die Verbreitung von Portfolio Insurance und die genannten Mängel der Abläufe. Zum Anteil der Strategie gibt es eine Zahl. Laut Brady-Bericht, zitiert in einer Studie des Federal Reserve Board, stammten rund 40% der Futures-Verkäufe von Händlern ohne Market-Maker-Rolle am 19. Oktober von Portfolio-Versicherern. Zudem machten die zehn grössten Verkäufer unter den Händlern ohne Market-Maker-Rolle 50% von deren Futures-Verkaufsvolumen aus.

Die Einschätzungen gehen auseinander. Die Positionen von SEC, CME-Komitee und CFTC-Chairman geben wir nach der Studie des Federal Reserve Board (Carlson, FEDS 2007-13) wieder.

Börsenaufsicht der USA

SEC

Die Securities and Exchange Commission schrieb, Portfolio Insurance habe den Markt möglicherweise geschädigt. Andere hätten das Verkaufsvolumen schwer einschätzen können. Konzentration und Tempo der Verkäufe könnten Preise verzerrt und die Kapitalbasis der Specialists belastet haben.

Bericht der Fachabteilung, Februar 1988

Terminbörse in Chicago

CME-Komitee

Das Komitee der Chicago Mercantile Exchange (CME) schrieb, die Strategie habe deutlich zum Verkaufsdruck in den Futures-Märkten beigetragen, sei aber nur eine von vielen Verkaufsquellen gewesen.

1988

Aufsicht über Terminmärkte

CFTC-Chairman

Der Chairman der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) war skeptisch: Die Handelsdaten passten nicht zur Kaskadentheorie.

amtierend 1987

Die Boston Fed hält die Ursachen für komplex und nicht vollständig trennbar. Auch der Aktienmarkt selbst habe versagt, etwa mit seinen Handelsmechanismen und veralteten Kursen.

Reaktion der Fed und neue Regeln

Am 20. Oktober 1987 erklärte der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan, die Notenbank habe «heute ihre Bereitschaft bekräftigt, als Quelle von Liquidität zu dienen». Liquidität heisst hier: genug Geld, damit Banken und Händler weiterarbeiten können. In der Woche des Crashs verdoppelten die zehn grössten New Yorker Banken ihre Kredite an Wertpapierhäuser fast.

Nach dem Crash wurden an den US-Börsen Handelsunterbrechungen (Circuit Breaker) eingeführt. Fällt der Markt stark, wird der Handel kurz angehalten. Die Auslöser der New York Stock Exchange liegen laut Federal Reserve History heute bei einem Rückgang des S&P 500 von 7%, 13% und 20% (Stand: 2. November 2026).

Der Crash und die Optionspreise

Ein Put ist das Recht, einen Basiswert zu einem festen Preis zu verkaufen, wie der Beitrag zu Call und Put zeigt. Eine Studie des National Bureau of Economic Research (NBER) von 2005 beschreibt: Vor dem Crash 1987 waren die impliziten Schwankungen von S&P-500-Optionen über verschiedene Ausübungspreise hinweg etwa flach. Implizit heisst: aus den Optionspreisen abgeleitet. Seit dem Crash sind Puts, deren Ausübungspreis weit unter dem Kurs liegt, im Vergleich dazu teuer. Diesen Unterschied nennt man Skew. Die Studie fragt, ob sich der Skew mit gewöhnlichen Vorlieben von Anlegenden erklären lässt. Die Ursachen sind Gegenstand der Forschung.

Risiken und Grenzen der Deutung

  • Ursachen: Sie sind nicht abschliessend geklärt. Jede Gewichtung stammt von einer Stelle, die ihre eigene Sicht hat.
  • Zahlen: Die Prozentwerte beziehen sich auf verschiedene Indizes und Märkte und sind nicht direkt vergleichbar. Mehrere Angaben (Brady-Bericht, SEC) sind nach der Carlson-Studie wiedergegeben.
  • Strategie: Portfolio Insurance war eine Handelsstrategie ohne Garantie. Verluste waren möglich.
  • Kurssprünge: Wie ein Sprung ohne Handel dazwischen Aufträge weit unter der gesetzten Marke ausführen lässt, zeigt der Beitrag zum Frankenschock 2015.
  • Beispiel: Das Zahlenbeispiel ist stark vereinfacht. Der Beitrag ist allgemein und keine Anlageberatung.

Fazit

Am Schwarzen Montag 1987 verlor der Dow Jones 22,6%, den grössten Eintagesrückgang der US-Börsengeschichte. Portfolio Insurance verkaufte bei fallenden Kursen. Laut Brady-Bericht stammten rund 40% der Futures-Verkäufe von Händlern ohne Market-Maker-Rolle von Portfolio-Versicherern. SEC, CME-Komitee und CFTC-Chairman gewichteten diese Rolle unterschiedlich. Dazu kamen Mängel der Abläufe. Seit dem Crash werden weit aus dem Geld liegende Puts im Vergleich teurer gehandelt. Die Ursachen dafür sind Gegenstand der Forschung.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.

Was war der Schwarze Montag 1987?

Am 19. Oktober 1987 verlor der Dow Jones 22,6% und schloss 508 Punkte tiefer. Laut Federal Reserve History war es der grösste Eintagesrückgang der US-Börsengeschichte.

Hat Portfolio Insurance den Crash von 1987 verursacht?

Das ist nicht abschliessend geklärt. Die US-Börsenaufsicht SEC schrieb 1988, die Strategie habe den Markt möglicherweise geschädigt. Das Komitee der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange sah einen deutlichen Beitrag, aber nur eine von vielen Verkaufsquellen. Die Federal Reserve Bank of San Francisco nennt die Ursachen weiterhin Gegenstand von Forschung und Debatte.

Wie funktionierte Portfolio Insurance mit Index-Futures?

Ein Computermodell legte fest, wie viel eines Portfolios in Aktien und wie viel in Bargeld steckte. Fielen die Kurse, verlangte es weniger Aktien. Statt Aktien zu verkaufen, handelten viele Versicherer Futures auf einen Aktienindex, weil das günstiger war und sie die Aktien der Kunden oft nicht handeln konnten.

Was hat der Crash mit dem Skew bei Optionspreisen zu tun?

Eine Studie des National Bureau of Economic Research (NBER) aus dem Jahr 2005 beschreibt: Vor 1987 waren die aus den Preisen von S&P-500-Optionen abgeleiteten Schwankungen über verschiedene Ausübungspreise etwa flach. Seit dem Crash sind Puts, deren Ausübungspreis weit unter dem Kurs liegt, im Vergleich dazu teuer. Die Ursachen sind Gegenstand der Forschung.

Wie lange dauerte die Erholung nach dem Crash?

Laut Federal Reserve History gewann der Dow innerhalb von zwei Handelstagen 288 Punkte zurück, also 57% des Verlusts. Die Höchststände vor dem Crash wurden in weniger als zwei Jahren übertroffen.

Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Die Inhalte berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele oder Ihre Risikobereitschaft. Lassen Sie sich vor einem Anlageentscheid von einer Fachperson beraten.

Anlagen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Prognose.

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