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Geld-Brief-Spanne: Was beim Kauf an der Börse passiert
Was ist die Geld-Brief-Spanne? Ein Zahlenbeispiel zeigt, warum Kauf- und Verkaufspreis auseinanderliegen und wie Aufträge den Preis beeinflussen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Preise: Es gibt den Geldkurs, zu dem Verkaufende abschliessen, und den höheren Briefkurs, zu dem Kaufende abschliessen. Im Beispiel sind es CHF 100.00 und CHF 100.20.
- Orderbuch: Kauf- und Verkaufsaufträge stehen einander gegenüber. Der beste Preis kommt zuerst, bei gleichem Preis kommt meist der früher eingegangene Auftrag zuerst.
- Auftrag: Ein Marktauftrag über 150 Stück läuft im Beispiel durch zwei Preisstufen und kostet im Schnitt rund CHF 100.23 statt CHF 100.20. Ein Limitauftrag legt den Preis fest, aber die Ausführung ist nicht sicher.
- Kosten: Wer im Beispiel 100 Stück kauft und sofort verkauft, verliert bei enger Spanne rund CHF 20, bei breiter rund CHF 200.
Die Geld-Brief-Spanne (englisch Spread) ist der Abstand zwischen dem höchsten Preis, den Kaufende bieten, und dem tiefsten, zu dem Verkaufende abgeben. Wer sofort kauft, zahlt den höheren Preis, wer sofort verkauft, erhält den tieferen. Die Spanne ist deshalb ein Teil der Handelskosten, auch wenn sie auf keiner Rechnung steht.
Kurz erklärt
Wertpapier und Börse
Auftrag (Order)
Orderbuch
Stück
Zwei Preise für dasselbe Wertpapier
An der Börse gibt es nie nur einen Preis. Kaufwillige nennen, was sie höchstens zahlen wollen. Verkaufswillige nennen, was sie mindestens verlangen. Der höchste Kaufpreis heisst Geldkurs, der tiefste Verkaufspreis Briefkurs. Dazwischen liegt die Spanne.
| Begriff | Bedeutung | Wer ihn bekommt |
|---|---|---|
| Geldkurs | höchster Preis, den Kaufende bieten | Verkaufende erhalten ihn |
| Briefkurs | tiefster Preis, zu dem Verkaufende abgeben | Kaufende zahlen ihn |
| Spanne (Spread) | Briefkurs minus Geldkurs | Unterschied zwischen beiden |
Ein erfundenes Beispiel: Der Geldkurs liegt bei CHF 100.00, der Briefkurs bei CHF 100.20. Die Spanne beträgt CHF 0.20, rund 0,2% des Briefkurses. Wer kauft, zahlt CHF 100.20. Wer verkauft, erhält CHF 100.00.
Das Orderbuch als Treppe
Das Orderbuch zeigt, woher die zwei Preise kommen. Es gleicht einer Treppe mit zwei Seiten. Auf der einen stehen die Verkaufsaufträge, der tiefste Preis zuunterst. Auf der anderen die Kaufaufträge, der höchste Preis zuoberst. In der Mitte treffen sich Briefkurs und Geldkurs, dazwischen klafft die Lücke.
Gehandelt wird nach festen Regeln. Der beste Preis kommt zuerst. Bei gleichem Preis kommt meist der früher eingegangene Auftrag zuerst.
Vor Handelsbeginn werden Aufträge gesammelt und noch nicht ausgeführt. In der Eröffnungsauktion wird der Preis gesucht, bei dem die meisten Aufträge zusammenkommen. Danach läuft der fortlaufende Handel. Die Schlussauktion bestimmt den offiziellen Schlusskurs. Die Zeiten hängen vom Handelssegment und vom Wertpapier ab.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Ein fiktiver Titel mit runden Werten, keine Marktdaten:
| Seite | Preis in CHF | Menge in Stück |
|---|---|---|
| Verkauf | 100.40 | 200 |
| Verkauf | 100.30 | 100 |
| Verkauf (Briefkurs) | 100.20 | 100 |
| Kauf (Geldkurs) | 100.00 | 120 |
| Kauf | 99.90 | 150 |
| Kauf | 99.80 | 200 |
Die Spanne beträgt CHF 0.20.
Wie läuft ein Kauf ab?
Die Auftragsart bestimmt, wie ein Kauf ausgeführt wird. SIX kennt unter anderem drei Auftragsarten.
Schnell, Preis offen
Marktauftrag
Wird sofort zum besten gerade verfügbaren Preis abgewickelt. Der Preis ist nicht festgelegt.
Preis festgelegt
Limitauftrag
Setzt beim Kauf einen Höchstpreis, beim Verkauf einen Mindestpreis.
Wartet auf einen Kurs
Stop-Auftrag
Wird erst ausgelöst, wenn der Kurs eine vorgegebene Marke erreicht.
Das fiktive Orderbuch von oben zeigt den Unterschied zwischen den ersten beiden.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Marktauftrag: Gekauft werden sollen 150 Stück. Die ersten 100 Stück kosten je CHF 100.20, zusammen CHF 10'020. Die übrigen 50 Stück gibt es erst eine Stufe höher, je CHF 100.30, zusammen CHF 5'015. Insgesamt sind es CHF 15'035, im Schnitt rund CHF 100.23 pro Stück. Das sind gut 3 Rappen mehr als der Briefkurs.
Limitauftrag: Gekauft werden sollen 50 Stück zu höchstens CHF 100.10. Kein Verkäufer verlangt so wenig, denn der Briefkurs liegt bei CHF 100.20. Der Auftrag bleibt im Orderbuch stehen und wird zum neuen Geldkurs. Die Spanne schrumpft auf CHF 0.10. Zustande kommt der Kauf nur, wenn jemand zu diesem Preis verkauft. Findet sich nur für einen Teil der Menge eine Gegenseite, wird nur dieser Teil ausgeführt.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Ein Marktauftrag über 150 Stück läuft durch zwei Preisstufen und kostet mehr als der Briefkurs
Fiktiver Titel mit dem Orderbuch von oben. Der Marktauftrag nimmt zuerst das günstigste Verkaufsangebot und geht dann zur nächsten Stufe.
- Erste Stufe: 100 Stück zu CHF 100.20
Das günstigste Verkaufsangebot ist ausgeschöpft. Kosten: CHF 10'020.
- Zweite Stufe: 50 Stück zu CHF 100.30
Für die restliche Menge geht der Auftrag eine Stufe höher. Kosten: CHF 5'015.
- Ergebnis: rund CHF 100.23 pro Stück
Insgesamt CHF 15'035 für 150 Stück, gut 3 Rappen mehr als der Briefkurs.
Zahlenbeispiel der Redaktion, fiktiver Titel, keine Marktdaten und keine Prognose.
Die Geld-Brief-Spanne als Handelskosten
Die Spanne wird nicht in Rechnung gestellt. Sie steckt im Preis. Wer ein Wertpapier kauft und gleich wieder verkauft, zahlt sie.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Zwei fiktive Titel, je 100 Stück, Kurse unverändert, ohne Courtage und Abgaben. Titel A wird oft gehandelt, Titel B selten.
| Titel A | Titel B | |
|---|---|---|
| Geldkurs | CHF 100.00 | CHF 99.00 |
| Briefkurs | CHF 100.20 | CHF 101.00 |
| Kauf von 100 Stück | CHF 10'020 | CHF 10'100 |
| Sofortiger Verkauf | CHF 10'000 | CHF 9'900 |
| Kosten der Spanne | CHF 20 | CHF 200 |
| in Prozent des Kaufpreises | rund 0,2% | rund 2% |
Wie breit die Spanne ist, hängt vom Wertpapier ab. Stehen viele Aufträge nahe beieinander im Orderbuch, ist sie eng. Wird ein Titel selten gehandelt, liegen die Aufträge oft weiter auseinander. Fachleute sprechen von Liquidität: Wie leicht lässt sich ein Wertpapier kaufen und verkaufen, ohne dass sich der Preis stark ändert?
Zur Spanne kommen weitere Kosten. Die Courtage ist die Gebühr der Bank oder des Brokers für die Ausführung. Die Umsatzabgabe beschreibt die Eidgenössische Steuerverwaltung als Abgabe auf Käufe und Verkäufe von Wertpapieren. Sie gilt für Geschäfte durch inländische Effektenhändler (zum Beispiel Banken und Broker). Wie hoch beides ausfällt, hängt vom Einzelfall ab.
Welche Rolle spielen Market Maker im ETF-Handel?
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds. Market Maker (Marktgestalter) sind Handelsfirmen, die laufend Kauf- und Verkaufspreise nennen. Im ETF-Handel an der SIX müssen sie Geld- und Briefkurse stellen. Diese halten sie innerhalb eines maximalen Spreads und bleiben während der offiziellen Handelszeiten im Orderbuch. Für jeden ETF muss mindestens ein Market Maker bestellt sein. Laut SIX gehören Market Maker zu den wichtigen Liquiditätsgebern im ETF-Handel.
Wie ein solches Produkt aufgebaut ist und was bei einer Pleite des Anbieters gilt, erklärt der Beitrag ETP oder ETF: Unterschied und Insolvenz.
Wie eng der Spread höchstens sein darf, hängt von der Anlageklasse ab. Die Tabelle zeigt eine Auswahl der Anlageklassen:
| Anlageklasse des ETF | Maximaler Spread |
|---|---|
| Geldmarkt (kurzfristige Schuldpapiere) | 0,1% |
| Staatsanleihen mit mehr als 3 Jahren Laufzeit, Unternehmensanleihen mit guter Bonität | 1,0% |
| Schwellenländer-Anleihen, Anleihen mit schwächerer Bonität | 2,0% |
Auswahl der Anlageklassen, Angaben der SIX-Seite zum ETF-Handel, abgerufen am 28. Oktober 2026. Bonität heisst, wie zahlungsfähig ein Schuldner ist. Die Anforderungen gelten monatlich. Die Zulassung von Handelsteilnehmern, Market Makern und Liquiditätsanbietern regelt SIX in Directive 1 (in Kraft seit 2. März 2026).
Wo ein Produkt gehandelt wird und welche Kennzahlen es hat, steht im Factsheet, das der Beitrag Factsheet lesen an einem Beispiel zeigt.
Risiken und Grenzen
- Verluste: Wertpapiere können an Wert verlieren. Die Spanne kommt bei jedem Kauf und Verkauf dazu und kann Verluste vergrössern.
- Keine Garantie für die Ausführung: Ein Limitauftrag wird nur ausgeführt, wenn die Gegenseite den Preis erreicht. Er kann unausgeführt bleiben oder nur teilweise ausgeführt werden.
- Preis bei Marktaufträgen: Der Preis ist nicht festgelegt. Wie im Beispiel kann der Durchschnittspreis über dem Briefkurs liegen. Bei wenigen Aufträgen im Orderbuch kann der Unterschied grösser sein.
- Kurs ändert sich: Nach SIX ist der angezeigte Kurs der zuletzt zustande gekommene Abschluss, nicht der aktuelle Geld- oder Briefkurs. Zwischen Anzeige und Ausführung kann sich der Preis ändern.
- Breite Spanne: Bei selten gehandelten Titeln kann sie die Kosten deutlich erhöhen, wie bei Titel B.
- Market Maker: Die Angaben gelten für den ETF-Handel an der SIX. Dass Market Maker Preise stellen müssen, heisst nicht, dass jeder Auftrag zum gewünschten Preis zustande kommt. Regeln können sich ändern.
- Vereinfachung: Die Beispiele sind erfunden, mit runden Werten und ohne Courtage und Abgaben. Reale Orderbücher ändern sich laufend. Steuern und Abgaben hängen von der persönlichen Situation ab.
Fazit
Die Geld-Brief-Spanne ist der Abstand zwischen dem Preis, zu dem Verkaufende abschliessen, und dem Preis, zu dem Kaufende abschliessen. Sie entsteht im Orderbuch, wo der beste Preis zuerst zum Zug kommt. Ein Marktauftrag kann im Beispiel über mehrere Preisstufen laufen, ein Limitauftrag legt den Preis fest, garantiert aber keine Ausführung. Die Spanne gehört neben Courtage und Abgaben zu den Handelskosten und fällt je nach Wertpapier unterschiedlich aus.
Fragen & Antworten
Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.
Wie berechne ich die Geld-Brief-Spanne in Prozent?
Eine gängige Rechnung teilt die Spanne durch den Mittelkurs, also den Mittelwert aus Geld- und Briefkurs. Vereinfacht wird auch der Briefkurs verwendet. Im Beispiel sind das bei beiden Varianten rund 0,2%.
Wird ein Marktauftrag immer zum angezeigten Kurs ausgeführt?
Nein. Beim Marktauftrag (bei SIX «unlimitiert») ist der Preis nicht festgelegt. Im Beispiel läuft ein Auftrag über 150 Stück durch zwei Preisstufen und kostet im Schnitt rund CHF 100.23 statt CHF 100.20.
Ist die Geld-Brief-Spanne eine Gebühr?
Nein, sie steht auf keiner Rechnung, sondern steckt im Preisunterschied zwischen Kauf und Verkauf. Courtage und Umsatzabgabe sind eigene Kostenbestandteile. Die Eidgenössische Steuerverwaltung beschreibt die Umsatzabgabe als Abgabe auf Käufe und Verkäufe von Wertpapieren durch inländische Effektenhändler (zum Beispiel Banken und Broker).
Wann gilt der Geldkurs und wann der Briefkurs?
Wer verkauft, erhält den Geldkurs. Wer kauft, zahlt den Briefkurs. Der Briefkurs liegt über dem Geldkurs.
Was tun Market Maker im ETF-Handel?
Laut SIX müssen Market Maker im ETF-Handel an der SIX Geld- und Briefkurse stellen und diese innerhalb eines maximalen Spreads halten. Für jeden ETF muss mindestens ein Market Maker bestellt sein.
Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
Die Inhalte berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele oder Ihre Risikobereitschaft. Lassen Sie sich vor einem Anlageentscheid von einer Fachperson beraten.
Anlagen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Prognose.
Angaben Dritter stammen aus als zuverlässig erachteten Quellen; für ihre Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen. Marktdaten beziehen sich auf den angegebenen Datenstand und können sich seither verändert haben.

