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Knowledge Hub · Optionen & Strategien ·

Cash Secured Put: Optionen verkaufen und Aktien übernehmen

Cash Secured Put einfach erklärt: wie ein verkaufter Put Einnahmen bringt, wie viel Geld bereitliegen muss und welche Verluste möglich sind.

Cash Secured PutOptionenPut7 Min. Lesezeit

Von NextIncome Research · Datenstand 31. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

  1. Put-KäuferPrämiefür den Verkauf des PutsStillhalterHakenWer einen Put verkauft, erhält eine Prämie, die zugleich der höchstmögliche Gewinn ist.
  2. StillhalterAusübungspreisbei Zuteilung, je AktiePut-Käufer, der die Aktien liefertHakenFällt der Kurs unter den Ausübungspreis, kauft der Stillhalter bei einer Zuteilung die Aktien zu diesem Preis, und das Geld dafür bleibt bis dahin gebunden.

Verluste sind möglich: Sie reichen bis zum Ausübungspreis minus Prämie je Aktie, was begrenzt, aber erheblich ist.

Ein Cash-Secured Put (gedeckter Put) ist ein verkaufter Put, bei dem das Geld für den möglichen Aktienkauf bereitliegt. Wer ihn verkauft, heisst Stillhalter und erhält dafür eine Prämie. Fällt der Kurs unter den Ausübungspreis, müssen die Aktien zu diesem Preis gekauft werden. Der Gewinn bleibt auf die Prämie begrenzt. Der mögliche Verlust ist begrenzt, aber erheblich. Was Call und Put sind, erklärt der Beitrag Optionen einfach erklärt: Call und Put im Beispiel.

Kurz erklärt

Option und Put

Ein Vertrag über einen Basiswert, etwa eine Aktie. Ein Put gibt dem Käufer das Recht, sie zu einem festen Preis zu verkaufen, aber keine Pflicht.

Stillhalter

So heisst, wer den Put verkauft. Er erhält die Prämie und muss die Aktien abnehmen, wenn der Käufer sein Recht nutzt.

Prämie

Der Preis der Option. Sie funktioniert wie eine Reservationsgebühr: Sie bleibt beim Verkäufer, auch wenn der Käufer nie davon Gebrauch macht.

Ausübungspreis (Strike)

Der feste Preis, zu dem gekauft oder verkauft wird, egal wo der Kurs dann steht. In Deutschland oft Basispreis genannt.

Zuteilung

Nutzt der Käufer sein Recht (Ausübung), bestimmt das System eine verkaufende Seite, die erfüllen muss.

Kontrakt und Eurex

Ein Kontrakt ist ein Optionsvertrag über eine feste Zahl Aktien. Bei der Nestlé-Option an der Eurex, einer Terminbörse, sind es 100 (Stand: 31. Oktober 2026).

Der Ablauf in drei Schritten

«Cash-Secured» heisst gedeckt: Wer die Pflicht übernimmt, kann sie auch erfüllen. Das Geld für den Kauf liegt bereit. Mit Schutz vor Kursverlusten hat das nichts zu tun.

  1. Geld bereitlegen. Zurückgelegt wird der Betrag, der für den Kauf zum Ausübungspreis nötig ist. Das Geld kann in einer Geldmarktanlage liegen, also in einer kurzfristigen Geldanlage.
  2. Put verkaufen. Die Prämie fliesst an den Stillhalter.
  3. Verfall oder Zuteilung. Bei Verfall behält der Stillhalter entweder nur die Prämie, oder er übernimmt die Aktien zum Ausübungspreis.

Der Gedanke dahinter kann sein, Aktien, die ohnehin gekauft werden sollen, zu einem tieferen Preis als heute zu übernehmen. Der Options Industry Council (OIC), die Bildungsstelle des Options-Clearinghauses, führt die Strategie unter «Aktien erwerben».

Kapitalbedarf: Was die Deckung bedeutet

Der Betrag ergibt sich aus dem Ausübungspreis mal der Zahl der Aktien im Kontrakt. Im Beispiel unten (Ausübungspreis 90, 100 Aktien) sind es CHF 9'000. Die Zahl der Aktien ist von Aktie zu Aktie verschieden. Das Geld bleibt gebunden, bis der Put verfällt oder die Position geschlossen wird.

Broker verlangen für verkaufte Optionen Sicherheiten. Die Einzelheiten regelt der jeweilige Anbieter.

Was passiert bei Verfall: Prämie behalten oder Aktien übernehmen?

Es gibt zwei Ausgänge. Liegt der Kurs bei Verfall über dem Ausübungspreis, verfällt der Put in der Regel wertlos, und die Prämie bleibt. Liegt er darunter, folgt die Zuteilung: Die Aktien kommen zum Ausübungspreis ins Depot, auch wenn sie am Markt weniger wert sind.

Drei Fälle bei Verfall

Kurs über dem AusübungspreisDer Put verfällt, die Prämie bleibt als Gewinn. Der Kursanstieg der Aktie entgeht.
Kurs knapp darunterDie Aktien werden zugeteilt. Die Prämie gleicht den Preisunterschied ganz oder teilweise aus.
Kurs weit darunterDie Aktien werden zum höheren Ausübungspreis übernommen. Die Prämie deckt den Verlust nur zum Teil.

Wer zugeteilt wird, entscheidet der Zufall. Übt ein Käufer sein Recht aus, wählt das System bei börsengehandelten Derivaten einen Stillhalter aus allen offenen Positionen derselben Optionsserie (Optionen mit gleichem Basiswert, Ausübungspreis und Verfall). Bei Nestlé-Optionen der Eurex werden die Aktien zwei Börsentage nach der Ausübung geliefert.

Die Zuteilung kann auch vor dem Verfall kommen. Amerikanische Optionen lassen sich jederzeit während der Laufzeit ausüben, die Nestlé-Option bis 20:00 MEZ an jedem Handelstag (Stand: 31. Oktober 2026). Der OIC hält dieses Risiko für gering, weil der Aktienkauf ja das Ziel ist. Übernahmen, Abspaltungen oder Sonderdividenden können diese Erwartung aber kippen, und auch rund um Dividenden besteht das Risiko.

Europäische Optionen kennen es nicht: Laut Eurex bieten sie einen bestimmten Verfall ohne das Risiko einer vorzeitigen Zuteilung. Was nach einer Zuteilung folgen kann, zeigt der Beitrag zur Wheel-Strategie, dem Kreislauf aus Put und Call.

Rechenbeispiel in CHF mit Gewinnschwelle

Zahlenbeispiel (Illustration)

Eine fiktive Aktie steht bei CHF 100. Verkauft wird ein Put mit Ausübungspreis 90 und einer Prämie von CHF 2 je Aktie. Der Kontrakt umfasst 100 Aktien. Kosten, Steuern und Dividenden bleiben weg.

  • Deckung: 90 × 100 = CHF 9'000
  • Prämie: 2 × 100 = CHF 200, zugleich der höchste Gewinn
  • Gewinnschwelle: 90 − 2 = CHF 88 je Aktie
  • Höchster Verlust bei Kurs 0: 88 × 100 = CHF 8'800

Die Gewinnschwelle (englisch Break-even) ist der Kurs, bei dem weder Gewinn noch Verlust entsteht. Beim Cash-Secured Put ist es der Ausübungspreis minus die Prämie. Sie ist zugleich der Einstandspreis, also das, was die Aktie unter dem Strich kostet, wenn sie zugeteilt wird.

Im Rechner unten lässt sich der Kurs bei Verfall verschieben. Zum Vergleich lässt sich die Gegenseite einblenden: wer denselben Put kauft.

Zahlenbeispiel (Illustration) · interaktiv

Der Gewinn ist auf die Prämie begrenzt, ein Verlust beginnt erst unter 88

Startwerte wie im Rechenbeispiel: Put mit Ausübungspreis 90 und Prämie 2. Alle Werte je Aktie; für einen Kontrakt über 100 Aktien mal 100 rechnen. Seite wählen und den Kurs bei Verfall verschieben.

Put mit Ausübungspreis 90 verkauft, Prämie 2 je Aktie erhalten. Das Geld für den Kauf zu 90 liegt bereit. Unter 90 folgt die Zuteilung.

Gewinn / Verlust je Einheit
Put verkaufen (Stillhalter)Liniendiagramm: Gewinn oder Verlust der Strategie in Abhängigkeit vom Kurs des Basiswerts bei Verfall.−8−40+4+8809010088
Kurs des Basiswerts bei Verfall →
95Kurs bei Verfall
+2Gewinn / Verlust je Einheit
+2Maximaler Gewinn
−88Maximaler Verlust

Gewinnschwelle: 88 · Prämie erhalten: 2

Je Einheit des Basiswerts, bei Verfall, ohne Kosten, Dividenden und Steuern. Erfundene Werte, keine Marktdaten, keine Empfehlung.

Eigene Modellrechnung der Redaktion mit frei gewählten Werten; Formel für die Gewinnschwelle nach Options Industry Council.

Die Ergebnisse des Beispiels bei Verfall, je 100 Aktien:

Kurs bei VerfallWas geschiehtErgebnis
105Put verfällt wertlos+CHF 200
90Put verfällt in der Regel wertlos+CHF 200
88Zuteilung zu 90: (88 − 90) × 100 = −200, plus 200 (Gewinnschwelle)CHF 0
80Zuteilung zu 90: (80 − 90) × 100 = −1'000, plus 200−CHF 800
0Zuteilung, Aktie wertlos: (0 − 90) × 100 = −9'000, plus 200−CHF 8'800

Zum Vergleich mit dem direkten Kauf: Wer die Aktie ohne Put zu 90 gekauft hätte, stünde bei Kurs 80 mit −CHF 1'000 da, der Put-Verkäufer mit −CHF 800. Wer sie dagegen heute zu 100 gekauft hätte, läge bei Kurs 105 mit +CHF 500 vorn, der Put-Verkäufer mit +CHF 200. Die Prämie gleicht also einen Teil des Kursrückgangs aus, kostet aber einen Teil des Kursanstiegs.

Cash-Secured Put und Covered Call im Vergleich

Der Covered Call ist das Gegenstück auf der Call-Seite. Die Aktien gehören schon dem Verkäufer oder werden gleichzeitig gekauft, und darauf verkauft er Calls. Ein Call gibt dem Käufer das Recht, die Aktien zu einem festen Preis zu kaufen. Wie die Strategie funktioniert, zeigt der Beitrag Covered Call Strategie: Was steckt dahinter?.

Put-Seite

Cash-Secured Put

Höchster Gewinn: die Prämie. Höchster Verlust: Ausübungspreis minus Prämie, wenn die Aktie wertlos wird. Gewinnschwelle: Ausübungspreis minus Prämie.
Geld bereitlegen, Put verkaufen

Call-Seite

Covered Call

Höchster Gewinn: Ausübungspreis minus Aktienkaufpreis plus Prämie. Höchster Verlust: Kaufpreis minus Prämie, wenn die Aktie wertlos wird. Gewinnschwelle: Startkurs minus Prämie.
Aktien halten, Call verkaufen

Beide Strategien haben einen begrenzten Gewinn und einen begrenzten, aber erheblichen Verlust. Die Auszahlungsform ist ähnlich. Der Unterschied liegt in der Ausgangslage: hier Geld, dort Aktien.

Die Prämie folgt Kurs, Zeit und Erwartung

Die Prämie steht beim Verkauf fest, ihr Wert ändert sich danach laufend. Er hängt vom Kurs der Aktie, von der Restlaufzeit und von der erwarteten Schwankung ab. Wie diese Einflüsse einzeln wirken, erklärt der Beitrag Options-Griechen einfach erklärt. Für den Stillhalter zählt das vor allem, wenn er den Put vor dem Verfall zurückkaufen will. Laut OIC kann eine steigende implizite Volatilität, also die vom Markt erwartete Schwankung, das Schliessen der Position verteuern.

Risiken und Grenzen

Beim Cash-Secured Put sind Verluste möglich. Sie entstehen im Kursrückgang der Aktie, nicht in der Option selbst.

  • Kursrückgang: Der Kurs kann deutlich unter den Ausübungspreis fallen. Der Ausübungspreis bleibt dann der Kaufpreis. Im Beispiel führt ein Kurs von 80 zu −CHF 800, bei wertloser Aktie zu −CHF 8'800.
  • Begrenzter Gewinn: Mehr als die Prämie ist nicht zu holen. Bei steigendem Kurs entgeht der Kursgewinn.
  • Gebundenes Geld: Der Betrag liegt bis zum Verfall oder Schliessen bereit.
  • Eine einzige Aktie: Das Ergebnis hängt an dieser einen Aktie.
  • Zuteilung zur Unzeit: Bei amerikanischen Optionen ist eine frühe Zuteilung möglich, besonders rund um Dividenden.
  • Teureres Schliessen: Steigt die erwartete Schwankung, kostet der Rückkauf des Puts mehr.
  • Vereinfachte Rechnung: Das Beispiel gilt für den Verfall und lässt Kosten, Steuern und Dividenden weg.

Fazit

Ein Cash-Secured Put verbindet einen verkauften Put mit dem Geld für den möglichen Aktienkauf. Im Beispiel bringt er höchstens CHF 200, die Gewinnschwelle liegt bei 88, und der Verlust reicht bis CHF 8'800. Der mögliche Verlust ist begrenzt, aber erheblich, der Gewinn bleibt auf die Prämie begrenzt. Gegenüber dem Covered Call unterscheidet sich vor allem die Ausgangslage, nicht die Form von Gewinn und Verlust.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.

Wie viel Kapital bindet ein Cash-Secured Put?

So viel, wie der Kauf zum Ausübungspreis kostet: Ausübungspreis mal Aktien je Kontrakt. Im Beispiel sind das CHF 9'000 für 100 Aktien. Das Geld bleibt bis zum Verfall oder bis zum Schliessen der Position gebunden.

Was passiert, wenn der Kurs unter den Ausübungspreis fällt?

Bei Verfall kann die Aktie zum Ausübungspreis zugeteilt werden. Der Kaufpreis liegt unter dem Strich um die Prämie tiefer, das Kursrisiko der Aktie trägt aber die verkaufende Seite. Im Beispiel führt ein Kurs von 80 zu einem Verlust von CHF 800.

Wie hoch ist der grösste mögliche Verlust?

Ausübungspreis minus Prämie, mal Anzahl Aktien, wenn die Aktie wertlos wird. Im Beispiel sind das CHF 8'800. Der Verlust ist damit begrenzt, aber erheblich.

Wie unterscheidet sich ein Cash-Secured Put vom direkten Aktienkauf?

Der Put bringt eine Prämie, auch wenn die Aktien nicht gekauft werden. Steigt der Kurs, entgeht dafür der Kursgewinn. Im Beispiel liegt der Put-Verkäufer bei Kurs 105 mit CHF 200 im Plus, wer heute zu 100 gekauft hat, mit CHF 500.

Kann der Put schon vor dem Verfall zugeteilt werden?

Bei amerikanischen Optionen ja, sie lassen sich an jedem Handelstag ausüben. Bei Nestlé-Optionen der Eurex ist das bis 20:00 MEZ möglich (Stand: 31. Oktober 2026). Europäische Optionen können erst bei Verfall ausgeübt werden.

Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Die Inhalte berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele oder Ihre Risikobereitschaft. Lassen Sie sich vor einem Anlageentscheid von einer Fachperson beraten.

Anlagen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Prognose.

Angaben Dritter stammen aus als zuverlässig erachteten Quellen; für ihre Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen. Marktdaten beziehen sich auf den angegebenen Datenstand und können sich seither verändert haben.