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Factsheet lesen: Angaben, Kennnummern und Chart verstehen

Factsheet lesen: ein fiktives Beispiel Angabe für Angabe erklärt, dazu ISIN und Ticker sowie die Einordnung von Charts.

FactsheetISINTicker8 Min. Lesezeit

Von NextIncome Research · Datenstand 20. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

01

Ein Factsheet ist ein kurzes Datenblatt des Anbieters zu Ziel, Kosten, Risiko und Wertentwicklung. Es ersetzt weder Prospekt noch Basisinformationsblatt.

02

Jede Angabe hat einen Stichtag und eine Bedeutung. Wer weiss, was Kosten, Vergleichsindex und Risikoangabe zeigen, liest ein Factsheet gezielter.

03

ISIN und Ticker benennen ein Produkt auf verschiedenen Ebenen. Die ISIN gilt international, der Ticker nur an einer Börse.

04

Bei Charts zählen Zeitraum, Kosten, Währung, Ausschüttungen und Vergleichsindex. Vergangene Wertentwicklung sagt nichts Verlässliches über die Zukunft.

Ein Factsheet ist das kurze Datenblatt, mit dem ein Anbieter ein Anlageprodukt vorstellt: Ziel, Kosten, Risiko und bisherige Wertentwicklung. Wer ein Factsheet lesen kann, erhält einen schnellen Überblick. Ersetzen kann es Prospekt und Basisinformationsblatt aber nicht.

Was ist ein Factsheet, und wo ist es zu finden?

Factsheet heisst auf Deutsch etwa «Faktenblatt». Es gibt es für Fonds, ETFs (börsengehandelte Fonds), ETPs (börsengehandelte Produkte) und strukturierte Produkte. Zu finden ist es meist auf der Website des Anbieters, bei der Bank oder beim Broker.

Zuerst ist das Datum zu prüfen. Jede Zahl gilt für einen Stichtag und kann inzwischen überholt sein. Mehr zu diesen Produktarten steht im Beitrag über die Entwicklung des ETP- und ETF-Markts.

Wie unterscheidet sich das Factsheet von Prospekt und Basisinformationsblatt?

Das Factsheet ist eine Kurzinformation. Das Schweizer Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) nennt zwei andere Dokumente:

  • Prospekt: Wer in der Schweiz öffentlich Wertpapiere anbietet oder die Zulassung zum Handel beantragt, muss vorher einen Prospekt veröffentlichen (Art. 35). Es gibt Ausnahmen.
  • Basisinformationsblatt (BIB): Wird ein Finanzinstrument Privatkunden angeboten, muss der Ersteller vorher ein BIB erstellen (Art. 58). Es entfällt, wenn das Instrument Privatkunden nur im Rahmen eines Vermögensverwaltungsvertrags zugänglich ist. Es enthält die wesentlichen Angaben, darunter Risiko- und Renditeprofil mit dem maximal möglichen Verlust, Kosten, Mindesthaltedauer und Handelbarkeit (Art. 60).

Das ist eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung (Rechtsstand Oktober 2026, nach FIDLEG). Im Einzelfall kann die Lage abweichen.

Wie wird ein Factsheet gelesen? Ein fiktives Beispiel

Das folgende Factsheet ist erfunden. Alle Werte sind Illustration und sagen nichts über ein echtes Produkt.

Nr.AngabeBeispielwert (Illustration)So wird sie gelesen
1Name und StichtagBeispiel Weltaktien Fonds, Stand 30.09.2026Das Datum prüfen. Ein alter Stand zeigt alte Zahlen.
2AnlagezielAktien aus aller Welt breit abbildenDas ist die Absicht des Anbieters, kein Versprechen.
3VergleichsindexFiktiver Weltaktien-IndexEin Index ist eine Messlatte, etwa eine Auswahl vieler Aktien. Wichtig ist, ob sie zum Produkt passt.
4Kosten (TER)0,30 % pro JahrDie TER (Gesamtkostenquote) nennt üblicherweise die laufenden Kosten in Prozent. Zu klären ist, welche Kosten sie umfasst.
5RisikoangabeRisikoindikator: mittelEr zeigt grob, wie stark der Wert schwanken kann. Mehr dazu im Beitrag über Volatilität. Bei ETPs und strukturierten Produkten zählt auch, ob der Herausgeber (Emittent) zahlen kann.
6Grösste PositionenFirma A, Firma B, Firma CJe stärker wenige Titel dominieren, desto weniger breit ist das Produkt gestreut (siehe Diversifikation).
7Währungen60 % USDAusländische Währungen schwanken gegenüber dem Franken mit.
8FondsdatenDomizil Luxemburg, Auflage 15.03.2015, Volumen CHF 500 Mio., thesaurierend, Anteilsklasse CHFDomizil ist das Land, in dem der Fonds gegründet wurde. Thesaurierend heisst: Erträge werden wieder angelegt statt ausbezahlt.
9HandelSIX Swiss Exchange, CHF, Ticker «BEWF»Börse, Handelswährung und Kürzel. Der Ticker ist hier ein Platzhalter.
10KennnummernISIN CH0123456789 (Platzhalter)Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Jede Zahl im Factsheet braucht ein Datum, eine Einheit und eine Erklärung, was sie umfasst.

Was bedeuten ISIN und Ticker?

ISIN und Ticker benennen ein Produkt, aber auf unterschiedlicher Ebene. Die ISIN ist wie eine Ausweisnummer fürs Wertpapier. Sie besteht aus 12 Zeichen in drei Teilen (Norm ISO 6166):

Teil 1

CH

Das Länderkürzel.

2 Buchstaben

Teil 2

012345678

Die nationale Kennung, bei Bedarf mit Nullen aufgefüllt.

9 Zeichen

Teil 3

9

Die Prüfziffer, errechnet aus den übrigen Zeichen.

1 Ziffer

Die Prüfziffer hilft, Tippfehler zu erkennen. Sie wird nach einem festen Rechenverfahren (Luhn-Verfahren) berechnet. Vertauschte Buchstaben bemerkt sie nicht. Ändert sich die nationale Kennung, etwa durch eine Kapitalmassnahme (ein Eingriff in das Wertpapier selbst), ändert sich auch die ISIN. Die ISIN nennt keinen Handelsplatz.

Prüfziffer (Illustration)

Die Nummer CH0123456789 ist ein Platzhalter. Die Buchstaben werden zu Zahlen (C=12, H=17), danach wird nach dem Verfahren gerechnet. Die Rechnung der Redaktion ergibt die Prüfziffer 9.

KennnummerHerkunftKennzeichnetAngaben
ISINinternationalein Wertpapier, ohne Handelsplatz12 Zeichen: 2 + 9 + 1
Tickereine Börseein Produkt an dieser BörseSIX: höchstens 6 Zeichen, bei ETFs 4 bis 5

Beim Ticker legt die Börse die Regeln fest. An der SIX beantragt der Herausgeber das Kürzel mit Produktname, ISIN, Handelswährung und Wunschsymbol. Bei ETFs sind es 4 bis 5 Zeichen, auf Anfrage 6. Weil die ISIN keinen Handelsplatz nennt, kann dasselbe Produkt an mehreren Börsen verschiedene Ticker haben.

Factsheet oder Werbung? Woran ist Marketingmaterial zu erkennen?

Anbieter wollen ihr Produkt vorstellen. Das ist legitim. Darstellung und Auswahl der Zahlen liegen beim Anbieter. Das FIDLEG verlangt (Art. 68): Werbung muss klar erkennbar sein, auf Prospekt und BIB hinweisen und angeben, wo sie erhältlich sind. Werbung darf deren Angaben nicht widersprechen.

Hilfreich ist ein Blick auf Hinweise wie «Marketing» oder «Werbung» und auf den Verweis zu Prospekt und BIB. Weichen Zahlen voneinander ab, ist das ein Grund zur Nachfrage.

Wie wird ein Performance-Chart gelesen?

Ein Performance-Chart zeigt die Wertentwicklung, also den Verlauf des Produktwerts. Fünf Fragen helfen beim Einordnen. Das ist eine allgemeine Lesehilfe, keine Liste von Pflichten. Der folgende Chart ist ein erfundenes Beispiel. Die Nummern in der Grafik stehen für die fünf Fragen.

Beispiel (Illustration)

Ein Chart sagt erst etwas aus, wenn fünf Angaben geklärt sind

Erfundener Beispielfonds in CHF, nach Kosten, Erträge wieder angelegt, Start = 100.

10012014016020162018202020222024202615012345
ZeitpunktBeispiel Weltaktien FondsFiktiver Weltaktien-Index
2016100100
2017108107
2018115113
2019122119
2020131127
2021140134
2022118116
2023105108
2024122121
2025138133
2026150142

Erfundene Zahlen zur Illustration, kein echtes Produkt. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Die fünf Fragen, jeweils am Beispiel:

  1. Zeitraum: Wann beginnt und endet die Linie? Im Beispiel läuft sie von 2016 bis 2026, also über zehn Jahre. Der Start liegt bei 100, das ist nur der Ausgangswert und kein Preis.
  2. Kosten: Sind Kosten schon abgezogen? Hier ja, der Beispielfonds ist nach Kosten dargestellt. Die Linie zeigt also, was nach Abzug der Gebühren übrig bleibt.
  3. Währung: In welcher Währung ist gerechnet? Im Beispiel in Schweizer Franken. Wer in einer anderen Währung rechnet, sieht eine andere Linie.
  4. Ausschüttungen: Sind Auszahlungen wieder angelegt oder nicht eingerechnet? Der Beispielfonds ist thesaurierend. Erträge werden wieder angelegt und stecken in der Linie.
  5. Vergleichsindex: Passt er zum Produkt, und gilt er vor oder nach Kosten? Die gestrichelte Linie ist ein fiktiver Weltaktien-Index. Er passt zu einem Weltaktien-Fonds. Ob er nach Kosten gerechnet ist, muss das Factsheet nennen.

Ein Blick auf die Linien zeigt auch: Der Fonds und der Index bewegen sich ähnlich. 2022 fallen beide, der Fonds von 140 auf 118. Am Ende liegt der Fonds mit 150 vor dem Index mit 142. Das sind erfundene Zahlen; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, und ein Vorsprung gegenüber dem Index ist keine Erwartung.

Für Schweizer Fonds gibt es Richtlinien der Asset Management Association Switzerland (AMAS) zur Fondsperformance. Die FINMA anerkennt sie als Mindeststandard, sie gelten seit dem 1. Januar 2022.

Welche Darstellungsweisen können einen Chart verzerren?

Manche Darstellungen lassen einen Chart besser aussehen, als die Lage ist. Das muss keine Absicht sein. Häufige Darstellungsweisen, die den Eindruck eines Charts verändern können, sind:

  • eine abgeschnittene Achse, die kleine Bewegungen gross wirken lässt
  • ein günstig gewählter Startzeitpunkt
  • nur die besten Jahre oder der beste Zeitraum
  • der Vergleich eines Produkts vor Kosten mit einem Index nach Kosten oder umgekehrt
  • eine Rückrechnung (Backtest) statt einer echten Geschichte
  • ein Wechsel der Währung
  • ein junges Produkt mit kurzer Historie

Der Startzeitpunkt wirkt besonders stark. Das zeigt derselbe Beispiel-Chart: 2016 steht der Wert bei 100, 2021 bei 140, 2023 bei 105 und 2026 bei 150. Wer 2016 startet (vor 10 Jahren), sieht +50 %. Wer 2021 startet (vor 5 Jahren), sieht +7 %. Wer 2023 startet (vor 3 Jahren), sieht +43 %. Das sind erfundene Zahlen; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Zahlenbeispiel (Illustration)

Derselbe Verlauf zeigt je nach Startzeitpunkt +7 % bis +50 %

Wertzuwachs des Beispielfonds bis 2026, je nach Startjahr.

+50 %

Start 2016 (vor 10 Jahren)

+7 %

Start 2021 (vor 5 Jahren)

+43 %

Start 2023 (vor 3 Jahren)

Erfundene Zahlen zur Illustration. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Das gilt auch für diese Zahlen, die nur der Illustration dienen.

Welche Risiken und Grenzen hat ein Factsheet?

  • Kurzfassung: Ein Factsheet kann nicht alles zeigen. Wichtige Einzelheiten stehen in Prospekt und BIB.
  • Stichtag: Zahlen veralten. Kosten, Positionen und Volumen können sich ändern.
  • Auswahl durch den Anbieter: Zeitraum, Index und Darstellung bestimmt der Anbieter.
  • Vergangenheit: Ein Chart zeigt, was war. Der Wert eines Produkts kann fallen, je nach Produkt bis zum Totalverlust.
  • Emittentenrisiko: Bei ETPs und strukturierten Produkten hängt der Wert auch davon ab, ob der Herausgeber seine Pflichten erfüllt.
  • Währungsrisiko: Produkte in fremder Währung schwanken auch mit dem Wechselkurs.

Fazit

Ein Factsheet zu lesen heisst, den Kurzüberblick des Anbieters einzuordnen. Es zeigt Ziel, Kosten, Risiko und Wertentwicklung, aber nur zu einem Stichtag und in der Auswahl des Anbieters. ISIN und Ticker benennen ein Produkt auf verschiedenen Ebenen. Beim Chart entscheiden Zeitraum, Kosten, Währung, Ausschüttungen und Vergleichsindex darüber, was die Linie aussagt. Das FIDLEG sieht, mit Ausnahmen, Prospekt und Basisinformationsblatt vor.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.

Wo ist das Factsheet zu einem Fonds oder ETF zu finden?

Meist auf der Website des Anbieters, bei der Bank oder beim Broker und auf Seiten der Börse. Der Stichtag muss aktuell sein, sonst zeigt das Blatt alte Zahlen.

Was ist der Unterschied zwischen Factsheet und Basisinformationsblatt?

Das Factsheet ist ein Kurzüberblick des Anbieters. Das Basisinformationsblatt (BIB) ist ein Dokument nach Schweizer Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG), das vor dem Angebot an Privatkunden erstellt werden muss, ausser bei einer Vermögensverwaltung.

Was ist der Unterschied zwischen ISIN und Ticker?

Die ISIN ist international, hat 12 Zeichen und nennt keinen Handelsplatz. Der Ticker gilt nur an einer Börse, dasselbe Produkt kann an mehreren Börsen verschiedene Ticker haben.

Ist ein Factsheet Werbung?

Nach FIDLEG Art. 68 muss Werbung klar erkennbar sein und auf Prospekt und BIB verweisen.

Was bedeutet «Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse»?

Wie sich ein Produkt früher entwickelt hat, sagt nicht verlässlich, wie es sich später entwickelt. Der Chart zeigt Vergangenes, keine Erwartung.

Quellen

  1. droit-bilingue.ch: FIDLEG Art. 35 bis 38 (Prospekt), abgerufen am 20. Oktober 2026
  2. droit-bilingue.ch: FIDLEG Art. 58 bis 61 (Basisinformationsblatt, Pflicht), abgerufen am 20. Oktober 2026
  3. droit-bilingue.ch: FIDLEG Art. 60 bis 63 (Basisinformationsblatt, Inhalt), abgerufen am 20. Oktober 2026
  4. droit-bilingue.ch: FIDLEG Art. 68 bis 71 (Werbung), abgerufen am 20. Oktober 2026
  5. SIX: ETFs, Listing und Symbole, abgerufen am 20. Oktober 2026
  6. FINMA: Medienmitteilung zur Anerkennung der AMAS-Selbstregulierung, 28. September 2021, abgerufen am 20. Oktober 2026
  7. Wikipedia: International Securities Identification Number (ergänzend), abgerufen am 20. Oktober 2026
Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Die Inhalte berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele oder Ihre Risikobereitschaft. Lassen Sie sich vor einem Anlageentscheid von einer Fachperson beraten.

Anlagen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Prognose.

Angaben Dritter stammen aus als zuverlässig erachteten Quellen; für ihre Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen. Marktdaten beziehen sich auf den angegebenen Datenstand und können sich seither verändert haben.