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Bull Call Spread und Bear Put Spread: Gewinn und Verlust
Bull Call Spread und Bear Put Spread einfach erklärt: wie zwei Optionen Gewinn und Verlust begrenzen und ab wann bei Verfall ein Gewinn entsteht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bull Call Spread verbindet einen gekauften Call mit einem verkauften Call mit höherem Ausübungspreis, der Bear Put Spread einen gekauften Put mit einem verkauften Put mit tieferem Ausübungspreis.
- Die verkaufte Option senkt die Kosten gegenüber einer einzelnen gekauften Option und deckelt zugleich den möglichen Gewinn.
- Bei Verfall ist der Verlust auf die Nettokosten begrenzt, die aber ganz verloren gehen können, und Gebühren für zwei Optionen sowie eine vorzeitige Zuteilung der verkauften Option können das Ergebnis zusätzlich verändern.
Ein Bull Call Spread und ein Bear Put Spread verbinden zwei Optionen: Eine wird gekauft, eine zweite mit anderem Ausübungspreis verkauft. Die verkaufte Option senkt die Kosten, deckelt aber den Gewinn. Der Bull Call Spread setzt auf steigende Kurse, der Bear Put Spread auf fallende. Die Grundlagen erklärt der Beitrag Optionen einfach erklärt: Call und Put im Beispiel.
Kurz erklärt
Option
Ausübungspreis
Prämie
Verfall
Spread
Bull und Bear
Was ist ein Bull- oder Bear-Spread?
Beide Strategien bestehen aus zwei Calls oder aus zwei Puts. Basiswert, Verfall und Anzahl sind gleich, nur die Ausübungspreise unterscheiden sich. Fachleute nennen das einen Vertical Spread.
In beiden Fällen kostet die gekaufte Option mehr, als die verkaufte einbringt. Beim Eröffnen wird also netto bezahlt. Das heisst Debit Spread, nach dem englischen Wort für Belastung.
| Bull Call Spread | Bear Put Spread | |
|---|---|---|
| Setzt auf | steigende Kurse | fallende Kurse |
| Gekauft wird | Call mit tieferem Ausübungspreis | Put mit höherem Ausübungspreis |
| Verkauft wird | Call mit höherem Ausübungspreis | Put mit tieferem Ausübungspreis |
| Beim Eröffnen | netto bezahlt (Debit) | netto bezahlt (Debit) |
Bull Call Spread: ein Call gekauft, ein höherer verkauft
Steigt der Kurs, gewinnt der gekaufte Call an Wert. Der verkaufte Call mit höherem Ausübungspreis bringt eine Prämie ein und senkt so die Kosten. Dafür endet der Gewinn beim höheren Ausübungspreis: Was darüber dazukommt, geht beim verkauften Call wieder verloren.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Eine Aktie steht bei CHF 100. Gekauft wird ein Call mit Ausübungspreis 100 für 5, verkauft ein Call mit Ausübungspreis 110 für 2. Alle Beträge gelten je Aktie.
- Nettokosten: 5 − 2 = 3. Das ist zugleich der maximale Verlust, bei einem Kurs von 100 oder darunter.
- Gewinnschwelle: 100 + 3 = 103.
- Maximaler Gewinn: Abstand der Ausübungspreise 10 minus Nettokosten 3 = 7, ab einem Kurs von 110.
Bei Verfall, ohne Gebühren und Steuern.
Bear Put Spread: das Spiegelbild für fallende Kurse
Hier ist alles umgekehrt: Gekauft wird ein Put, verkauft ein Put mit tieferem Ausübungspreis und gleichem Verfall. Fällt der Kurs, legt der gekaufte Put zu. Die Prämie des verkauften Puts senkt die Kosten, doch unter seinem Ausübungspreis wächst der Gewinn nicht weiter.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Dieselbe Aktie bei CHF 100. Gekauft wird ein Put mit Ausübungspreis 100 für 5, verkauft ein Put mit Ausübungspreis 90 für 2. Beträge je Aktie.
- Nettokosten: 3, zugleich der maximale Verlust, bei einem Kurs von 100 oder darüber.
- Gewinnschwelle: 100 − 3 = 97.
- Maximaler Gewinn: 10 − 3 = 7, bei einem Kurs von 90 oder darunter.
Bei Verfall, ohne Gebühren und Steuern.
Wo liegt die Gewinnschwelle?
Die Gewinnschwelle (englisch Break-even) ist der Kurs bei Verfall, bei dem weder Gewinn noch Verlust entsteht. Beim Bull Call Spread ist das der Ausübungspreis des gekauften Calls plus Nettokosten. Beim Bear Put Spread ist es der Ausübungspreis des gekauften Puts minus Nettokosten.
| Bei Verfall | Bull Call Spread | Bear Put Spread |
|---|---|---|
| Gewinnschwelle | 100 + 3 = 103 | 100 − 3 = 97 |
| Maximaler Gewinn | 10 − 3 = 7, ab Kurs 110 | 10 − 3 = 7, ab Kurs 90 abwärts |
| Maximaler Verlust | Nettokosten: 3 | Nettokosten: 3 |
Die Werte stammen aus den Beispielen oben. Im Rechner unten lassen sich beide durchspielen, zum Vergleich auch ein einzelner gekaufter Call oder Put mit Ausübungspreis 100 für je 5.
Zahlenbeispiel (Illustration) · interaktiv
Zwei Optionen statt einer: tiefere Kosten, aber ein Deckel beim Gewinn
Aktie bei 100. Variante wählen und den Kurs bei Verfall verschieben. Beim Startwert 105 liegt der Bull Call Spread bei +2, der Call allein bei 0, der Bear Put Spread bei −3 und der Put allein bei −5.
Call 100 gekauft für 5, Call 110 verkauft für 2. Nettokosten 3.
Gewinnschwelle: 103 · Prämie bezahlt: 3
- Long Call 100−50
- Short Call 110+2+2
Je Einheit des Basiswerts, bei Verfall, ohne Kosten, Dividenden und Steuern. Erfundene Werte, keine Marktdaten, keine Empfehlung.
Eigene Modellrechnung der Redaktion, erfundene Werte.
So liest sich das Diagramm beim Bull Call Spread:
- Waagrecht steht der Kurs bei Verfall, senkrecht der Gewinn oder Verlust je Aktie.
- Bis 100 bleibt die Linie flach bei −3, dem maximalen Verlust.
- Zwischen 100 und 110 steigt sie und kreuzt bei 103 die Nulllinie. Ein Kreis markiert diese Gewinnschwelle.
- Ab 110 bleibt sie flach bei +7. Mehr Gewinn ist nicht möglich.
Beim Bear Put Spread ist das Bild gespiegelt: flach bei +7 bis 90, Gewinnschwelle bei 97, flach bei −3 ab 100.
Spread oder einzelne Option: was sich ändert
Gegenüber dem Call allein kostet der Spread im Beispiel 3 statt 5. Seine Gewinnschwelle liegt bei 103 statt 105. Dafür endet sein Gewinn bei 7, während er beim Call allein nach oben offen bleibt.
| Kurs bei Verfall | Bull Call Spread | nur Call 100 |
|---|---|---|
| 95 | −3 | −5 |
| 103 | 0 | −2 |
| 110 | +7 | +5 |
| 130 | +7 | +25 |
Unter einem Kurs von 112 ergibt der Spread im Beispiel das höhere Ergebnis, bei 112 liegen beide bei +7, darüber liegt der Call allein vorn. Für den Bear Put Spread und einen einzelnen gekauften Put gilt dasselbe Muster nach unten.
Vor dem Verfall wirken zusätzlich Zeit und Schwankung. Der Zeitwert ist der Teil der Prämie, der mit der Zeit schwindet. Sein Rückgang belastet den Bull Call Spread weniger als einen einzelnen gekauften Call und den Bear Put Spread weniger als einen einzelnen gekauften Put. Eine veränderte erwartete Schwankung wirkt bei sonst gleichen Bedingungen nur leicht. Die beiden Optionen gleichen sich teilweise aus, doch je nach Kursbewegung kann die Änderung eine der beiden stärker treffen. Wie Zeit und Schwankung den Optionspreis verändern, erklärt der Beitrag Options-Griechen einfach erklärt.
Credit-Varianten: Bull Put Spread und Bear Call Spread
Auf dieselben Richtungen lässt sich auch mit der jeweils anderen Optionsart setzen. Beim Bull Put Spread wird ein Put verkauft und ein Put mit tieferem Ausübungspreis gekauft. Beim Bear Call Spread wird ein Call verkauft und ein Call mit höherem Ausübungspreis gekauft. Die verkaufte Option ist hier mehr wert als die gekaufte, also wird netto eine Prämie erhalten. Das heisst Credit Spread, nach dem englischen Wort für Gutschrift.
| Strategie | Setzt auf | Beim Eröffnen | Maximaler Verlust bei Verfall |
|---|---|---|---|
| Bull Call Spread | steigende Kurse | netto bezahlt | Nettokosten |
| Bear Put Spread | fallende Kurse | netto bezahlt | Nettokosten |
| Bull Put Spread | steigende Kurse | netto erhalten | Abstand minus Prämie |
| Bear Call Spread | fallende Kurse | netto erhalten | Abstand minus Prämie |
Bull und Bear beschreiben die Richtung, Debit und Credit den Zahlungsfluss. Bei Credit-Spreads ist der maximale Gewinn die erhaltene Prämie. Der mögliche Verlust übersteigt sie, sobald der Abstand der Ausübungspreise mehr als doppelt so gross ist wie die Prämie.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Bull Put Spread auf die Aktie bei CHF 100: Verkauft wird ein Put mit Ausübungspreis 100 für 5, gekauft ein Put mit Ausübungspreis 90 für 2. Erhalten werden netto 3 je Aktie, zugleich der maximale Gewinn bei einem Kurs von 100 oder darüber. Bei 90 oder darunter beträgt der Verlust 10 − 3 = 7. Die Gewinnschwelle liegt bei 97. Bei Verfall, ohne Gebühren und Steuern.
Risiken und Grenzen
Begrenzt heisst nicht klein. Alle vier Spreads können Verluste bringen, und nicht jedes Risiko zeigt die Verfallsrechnung.
- Totalverlust des Einsatzes: Beim Bull Call Spread und beim Bear Put Spread können die ganzen Nettokosten verloren gehen, unter Umständen in kurzer Zeit. Im Beispiel sind das 3 je Aktie. Es zählt nicht nur die Richtung, sondern auch der Zeitpunkt der Kursbewegung.
- Gedeckelter Gewinn: Über dem höheren Ausübungspreis (Bull Call) oder unter dem tieferen (Bear Put) entgeht jeder weitere Gewinn.
- Credit-Spreads: Der Verlust kann die erhaltene Prämie übersteigen, im Beispiel 7 gegenüber 3.
- Zwei Abschlüsse: Beide Optionen gleichzeitig zum gewünschten Preis zu handeln, kann schwierig oder unmöglich sein. Bleibt eine Seite offen, während die andere geschlossen ist, steigt das Risiko.
- Kosten: Gebühren fallen für jede Option an. Darum kann eine deutliche Kursbewegung nötig sein, bevor überhaupt ein Gewinn entsteht.
- Markt: Eine Position lässt sich mit einem Gegengeschäft schliessen, also mit dem Handel derselben Optionen in die Gegenrichtung. Das setzt einen funktionierenden Markt voraus, garantiert ist er nicht, etwa bei Handelsunterbrüchen.
Die US-Optionsbörsen und ihre Abwicklungsstelle OCC (Options Clearing Corporation) geben gemeinsam eine Risikobroschüre heraus. Die Ausgabe vom Juni 2024 nennt Kombinationen wie Spreads komplexer als eine einzelne Option und hält fest: «Eine Komplexität, die nicht gut verstanden wird, ist für sich allein ein Risikofaktor.» Nicht jede Optionsstrategie eignet sich laut der Broschüre für alle Anlegerinnen und Anleger.
Wenn die verkaufte Option früher ausgeübt wird
Amerikanische Optionen können jederzeit bis zum Verfall ausgeübt werden, europäische erst bei Verfall. Ist die verkaufte Option amerikanisch, kann sie während der ganzen Laufzeit zugeteilt werden. Zugeteilt heisst: Wer verkauft hat, muss jetzt liefern oder abnehmen. Diese Seite des Spreads fällt weg, und das Risiko der Position ändert sich wesentlich.
Beim Bull Call Spread geschieht das in der Regel nur, wenn die Aktie ex Dividende gehandelt wird. Ex Dividende heisst: ohne Anspruch auf die nächste Dividende. Beim Bear Put Spread kommt es in der Regel nur vor, wenn der Kurs weit unter dem Ausübungspreis liegt. Übernahmen oder Sonderdividenden können diese Muster durchbrechen. Auch der Verfall selbst birgt ein Risiko. Liegt der Kurs dann nahe beim Ausübungspreis der verkauften Option, ist unter Umständen erst am nächsten Handelstag klar, ob sie zugeteilt wurde.
An der Eurex, der Terminbörse der Gruppe Deutsche Börse, sind Optionen auf Einzelaktien überwiegend amerikanisch. Für 119 Aktien, darunter Roche, gibt es zusätzlich europäische (Stand: 6. Juni 2024). Eurex hielt dazu fest: «Bei europäischen Optionen gibt es kein Risiko einer vorzeitigen Zuteilung.» Optionen auf die Aktienindizes SMI (Swiss Market Index) und EURO STOXX 50 sind dort europäisch und werden bar ausgeglichen, also in Geld statt in Aktien (Stand: Oktober 2026).
Fazit
Bull Call Spread und Bear Put Spread verbinden eine gekaufte und eine verkaufte Option derselben Art und Laufzeit. Die verkaufte Option senkt die Kosten und deckelt den Gewinn. Im Beispiel kosten beide netto 3, die Gewinnschwellen liegen bei 103 und 97, und der Gewinn endet bei 7. Bei Verfall ist der Verlust auf die Nettokosten begrenzt, doch diese können ganz verloren gehen. Gebühren, zwei Abschlüsse und eine mögliche vorzeitige Zuteilung kommen als Risiken hinzu.
Fragen & Antworten
Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.
Was ist der Unterschied zwischen einem Debit- und einem Credit-Spread?
Beim Debit Spread wird beim Eröffnen netto bezahlt, so beim Bull Call Spread und beim Bear Put Spread. Beim Credit Spread wird netto eine Prämie erhalten, so beim Bull Put Spread und beim Bear Call Spread. Dort kann der Verlust grösser sein als die erhaltene Prämie.
Kann die verkaufte Option vor dem Verfall ausgeübt werden?
Bei amerikanischen Optionen ja: Die verkaufte Option kann während der ganzen Laufzeit zugeteilt werden, dann muss die verkaufende Seite liefern oder abnehmen. Europäische Optionen lassen sich erst bei Verfall ausüben, eine vorzeitige Zuteilung gibt es bei ihnen nicht.
Was ist ein Spread vor dem Verfall wert?
Vor dem Verfall weicht der Wert eines Spreads von der Verfallsrechnung ab, weil Restlaufzeit und erwartete Schwankung mitwirken. Die Position lässt sich mit einem Gegengeschäft schliessen, also mit dem Handel derselben Optionen in die Gegenrichtung, solange ein funktionierender Markt besteht.
Was bewirkt ein grösserer Abstand zwischen den Ausübungspreisen?
Beim Debit Spread ist der maximale Gewinn der Abstand minus Nettokosten, beim Credit Spread der maximale Verlust der Abstand minus erhaltene Prämie. Der Abstand bestimmt also mit, wie weit Gewinn oder Verlust reichen. Weil sich mit anderen Ausübungspreisen auch die Prämien ändern, braucht die Rechnung immer beide Grössen.
Hat ein Options-Spread etwas mit der Geld-Brief-Spanne zu tun?
Nein, es ist nur dasselbe englische Wort. Der Options-Spread ist eine Kombination aus einer gekauften und einer verkauften Option. Die Geld-Brief-Spanne ist der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs an der Börse; sie wirkt beim Handel jeder der beiden Optionen als Kosten.
Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
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