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Stablecoins einfach erklärt: Arten, Deckung und Risiken

Was sind Stablecoins? Wir erklären die drei Arten, woher ihr Wert kommt, was schiefgehen kann und welche Regeln in der Schweiz und der EU gelten.

StablecoinsKursbindungDepeg7 Min. Lesezeit

Von NextIncome Research · Datenstand 27. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

  1. Stablecoins sind meist an einen Referenzwert wie den US-Dollar gekoppelt, doch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) hält sie für weniger stabil, als ihre Herausgeber behaupten, vor allem die algorithmischen.
  2. Den Kurs stützen entweder kurzfristige Anlagen in Geld, Kryptowerte als Sicherheit oder ein Algorithmus, und wie gut das trägt, hängt von der Art der Deckung und der Qualität der Reserven ab.
  3. TerraUSD, ein algorithmischer Stablecoin, erreichte im Mai 2022 laut BIS einen Höchststand von 18,7 Mrd. USD und fiel im selben Monat auf fast null.
  4. In der Schweiz beurteilt die FINMA Stablecoins nach ihrer wirtschaftlichen Funktion. Eine Gesetzesvorlage ging 2025 in die Vernehmlassung (öffentliche Anhörung) und ist nicht in Kraft. In der EU gelten die Regeln der Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA) für Stablecoins seit 30. Juni 2024.

Stablecoins sind digitale Münzen (Token), deren Preis an einen festen Wert gebunden sein soll, meist an den US-Dollar. Ob diese Bindung hält, hängt davon ab, was hinter dem Token steht: Geld in Reserve, Kryptowerte als Sicherheit oder nur ein Rechenverfahren. Stand: 27. Oktober 2026.

Kurz erklärt

Token

Ein digitaler Wert, der auf einer Blockchain geführt wird, einem gemeinsamen digitalen Register.

Kursbindung

Der Token soll stets etwa so viel kosten wie der Referenzwert, zum Beispiel 1 US-Dollar. Im Fachjargon heisst das Peg.

Herausgeber und Reserve

Der Herausgeber gibt die Token aus. Die Reserve ist das Vermögen, das ihren Wert stützen soll.

Rücktausch und Depeg

Rücktausch heisst, Token gegen Geld zurückzugeben. Von einem Depeg spricht man, wenn der Kurs deutlich vom Referenzwert abweicht.

Wie die Kursbindung bei Stablecoins funktioniert

Stablecoins heissen so, weil sie in der Regel an einen Referenzwert wie den US-Dollar gekoppelt sind. Sie können auch andere Währungen oder Werte wie Gold abbilden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beschreibt sie als digitale Werte, die hauptsächlich an etablierte Währungen wie den US-Dollar oder den Schweizer Franken gebunden sind.

Das Prinzip ist einfach. Token werden gegen Geld ausgegeben, und wer sie zurückgibt, soll Geld erhalten. Das Rückgaberecht und das Vermögen des Herausgebers sollen den Preis nahe am Referenzwert halten. Ein Vergleich: Ein Gutschein ist nur so viel wert wie die Zusage, dass er eingelöst wird.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS), die Bank der Zentralbanken, ordnet das nüchtern ein. In ihrem Jahresbericht 2022 schreibt sie: «Trotz ihres Namens sind Stablecoins – insbesondere algorithmische – weniger stabil, als ihre Herausgeber behaupten.» Auch zwischen Herausgebern gibt es Unterschiede: Laut dem BIS-Jahresbericht 2025 sind Token verschiedener Herausgeber getrennte Forderungen, also Ansprüche gegen den jeweiligen Herausgeber. Ihre Kurse können voneinander abweichen.

Bitcoin ist anders gebaut, er hat weder einen Herausgeber noch einen Referenzwert. Wie er als Vermögenswert funktioniert, zeigt der Beitrag zu Bitcoin als globalem Vermögenswert.

Drei Arten im Vergleich

Die BIS unterscheidet drei Hauptformen nach der Art der Unterlegung.

ArtWas den Kurs stützen sollHauptrisiko
Mit Geld gedecktReserve aus kurzfristigen Anlagen in GeldKredit- oder Liquiditätsrisiko in den Reserven
Mit Kryptowerten gedecktKryptowerte als SicherheitDie Sicherheit kann an Wert verlieren
AlgorithmischEin Algorithmus mit festen RechenregelnLaut BIS weniger stabil als behauptet

Kredit- und Liquiditätsrisiko heisst: Ein Schuldner der Reserve zahlt nicht, oder die Reserve lässt sich nicht schnell genug zu Geld machen. Bei Kryptowerten als Sicherheit hängt der Wert der Deckung am Kryptomarkt. Das zeigt das Zahlenbeispiel unten.

Die Deckung hängt von den Reserven ab

Die Stabilitätszusage beruht laut BIS auf dem Reservepool des Herausgebers, dem Vermögen hinter den Token. Weil der Rücktausch kurzfristig möglich ist, zählt dessen Qualität. Herausgeber, deren Reserven ein Kredit- oder Liquiditätsrisiko tragen, können die Stabilität laut BIS nicht in jedem Szenario zusichern.

Die FINMA, die Schweizer Finanzmarktaufsicht, hält in ihrer Aufsichtsmitteilung vom 26. Juli 2024 fest, dass Herausgeber in der Schweiz häufig Ausfallgarantien von Banken nutzen. Dabei verspricht eine Bank, im Fall eines Ausfalls einzuspringen. Laut FINMA betreffen die Risiken der Bankgarantien Inhaber und garantiestellende Banken.

Zahlenbeispiel (Illustration)

Ein erfundener Franken-Stablecoin hat 1'000'000 Token im Umlauf, jeder soll CHF 1 wert sein.

Fall A, Reserve in Geld: Die Reserve beträgt CHF 1'000'000. Jeder Token ist rechnerisch CHF 1,00 gedeckt.

Fall B, Reserve bei einer Bank, die ausfällt: CHF 100'000 der Reserve liegen bei einer Bank, die nichts mehr zurückzahlt. Es bleiben CHF 900'000. Geben alle ihre Token zurück und werden gleich behandelt, entfallen CHF 0,90 auf jeden Token.

Fall C, Kryptowerte als Sicherheit: Die Sicherheiten sind CHF 1'500'000 wert, mit einem Puffer von CHF 500'000 (Überdeckung). Fällt ihr Wert um 20%, bleiben CHF 1'200'000, und die Token sind weiter gedeckt. Fällt er um 40%, bleiben CHF 900'000, und es entfallen rechnerisch CHF 0,90 auf jeden Token.

Alle Werte sind frei gewählt und vereinfacht, ohne Kosten, Gebühren und Steuern. Sie sagen nichts über reale Stablecoins.

Eine Deckung ist nur so gut wie das, woraus sie besteht, und wie schnell sie sich zu Geld machen lässt.

TerraUSD 2022: Wenn die Kopplung bricht

TerraUSD (UST) war ein algorithmischer Stablecoin und sollte 1:1 an den US-Dollar gebunden sein. Laut BIS war er am Höchststand im Mai 2022 der drittgrösste Stablecoin, mit einem Marktwert von 18,7 Mrd. USD. Im selben Monat fiel sein Kurs auf fast null. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Der Ablauf nach der BIS: UST liess sich in Luna umtauschen, einen zweiten Token ohne inneren Wert. UST wurde in grossem Umfang «verbrannt», also aus dem Umlauf genommen, um Luna im Wert von 1 US-Dollar zu schaffen. Für das neue Luna fanden sich zu wenige Käufer, und der Luna-Kurs brach ein. Ein anderer grosser Stablecoin sank in dieser Zeit auf 0,95 US-Dollar und erholte sich wieder. In den folgenden Wochen gab es Abflüsse von über 10 Mrd. USD.

Daten

TerraUSD erreichte im Mai 2022 einen Marktwert von 18,7 Mrd. USD und fiel im selben Monat auf fast null

Vom Höchststand bis zu den Folgen, nach Angaben der BIS und des FSB.

Mai 2022

Höchststand

UST ist mit 18,7 Mrd. USD Marktwert der drittgrösste Stablecoin.

Mai 2022

Kurssturz

Der Kurs von UST fällt auf fast null.

Mai/Juni 2022

Ansteckung

Ein anderer grosser Stablecoin sinkt auf 0,95 US-Dollar und erholt sich. In den folgenden Wochen gibt es Abflüsse von über 10 Mrd. USD.

Juli 2023

Neue Regeln

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) schliesst sein Regelwerk ab und verschärft es in drei Bereichen.

Quellen: BIS, Annual Economic Report 2022, Box A; FSB, Medienmitteilung vom 17.07.2023. Stand: 27.10.2026.

Regeln in der Schweiz und der EU

International empfiehlt der Finanzstabilitätsrat (FSB) für Stablecoin-Vereinbarungen von weltweiter Bedeutung klare Rücknahmerechte. Bei einer Bindung an eine einzelne Währung nennt er den Rücktausch zum Nennwert (Konsultationsbericht vom 11. Oktober 2022).

Schweiz: Praxis der FINMA

Die FINMA beurteilt Stablecoins nach ihrer wirtschaftlichen Funktion, nicht nach dem Namen. Das stellte sie in ihrer Mitteilung vom 11. September 2019 fest. Je nach Ausgestaltung kann das Bankengesetz oder das Kollektivanlagengesetz (Gesetz über Fonds und ähnliche Anlagegefässe) berührt sein. Die Einordnung kann sich mit dem Projekt ändern. Laut der Aufsichtsmitteilung 06/2024 brauchen Herausgeber mit Bankgarantie oft keine Bankbewilligung. Die FINMA sieht zudem erhöhte Risiken für Geldwäscherei, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsumgehung.

Schweiz: Vorlage für ein neues Gesetz

Der Bundesrat eröffnete am 22. Oktober 2025 die Vernehmlassung zur Änderung des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG). Dieses Gesetz regelt, welche Finanzfirmen eine Bewilligung brauchen. Eine Vernehmlassung ist eine öffentliche Anhörung zu einem Gesetzesentwurf. Die Vernehmlassung dauerte vom 22. Oktober 2025 bis 6. Februar 2026.

Die Vorlage sieht ein Zahlungsmittelinstitut vor, eine neue Bewilligungskategorie. Es soll die bisherige Bewilligung für Fintech-Firmen ersetzen und eine besondere Art von Stablecoins ausgeben dürfen. Kundengelder wären im Konkurs absonderbar, also getrennt von der Konkursmasse. Die bisherige Obergrenze von CHF 100 Mio. für Kundengelder entfiele.

Stand 27. Oktober 2026 nennt die Themenseite des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) als Stand der Vorlage die Vernehmlassung. Auf die Vernehmlassung folgt in der Regel die Botschaft, also der Gesetzesentwurf des Bundesrats samt Begründung an das Parlament. Die Vorlage ist kein geltendes Recht.

EU: MiCA

Die Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA) trat am 29. Juni 2023 in Kraft. Die Regeln für Stablecoins gelten laut der deutschen Aufsicht BaFin seit 30. Juni 2024. Sie unterscheiden zwei Arten. E-Geld-Token sind an eine einzelne amtliche Währung gebunden, vermögenswertreferenzierte Token an andere Werte oder mehrere Währungen.

  • E-Geld-Token: Herausgeber dürfen nur E-Geld-Institute und Kreditinstitute sein. Der Rücktausch muss jederzeit zum Nennwert in der amtlichen Währung möglich sein.
  • Vermögenswertreferenzierte Token: Sie brauchen die Zulassung der Aufsicht, einen Sitz in der EU und eine Vermögenswertreserve. Diese wird regelmässig offengelegt und ist Teil der Abschlussprüfung. Die Rückzahlung erfolgt zum Marktwert des Referenzwerts.

Die Schweiz ist nicht Mitglied der EU, MiCA ist EU-Recht.

Risiken und Grenzen

  • Wertverlust: Die Kursbindung kann brechen. Verluste sind möglich, bei TerraUSD bis fast auf null.
  • Reserven: Kredit- oder Liquiditätsrisiken in der Reserve können die Stabilität nicht in jedem Szenario zusichern (BIS).
  • Herausgeber und Banken: Laut FINMA betreffen die Risiken der Bankgarantien Inhaber und garantiestellende Banken. Wie sich der Ausfall eines Anbieters bei börsengehandelten Produkten auswirkt, erklärt der Beitrag zur Pleite eines ETP- oder ETF-Anbieters.
  • Ansturm: Wollen viele gleichzeitig Token zurücktauschen, kann die Reserve nicht reichen. Das ist ein Run, vergleichbar mit einem Ansturm auf eine Bank.
  • Ansteckung: Der FSB hielt 2023 fest, die Ereignisse des Vorjahres hätten die Schwankungsanfälligkeit und strukturelle Schwächen von Kryptowerten gezeigt. Die Folgen blieben laut BIS ausserhalb des Kryptomarkts gering (Bulletin 69, Februar 2023).
  • Missbrauch: Die BIS nennt Stablecoins eine bevorzugte Wahl für illegale Zwecke.
  • Grenzüberschreitung: Stablecoins können ausserhalb des Währungsraums ausgegeben werden und weltweit zirkulieren. Laut SNB sind sie in der Schweiz ein Nischenphänomen, wegen der geringen Volumen derzeit ohne Risiko für die Finanzstabilität. Ihre Bedeutung wachse aber mit der Verbreitung.
  • Rechtslage: Die Schweizer Vorlage ist nicht in Kraft, und die Einordnung eines Tokens hängt vom Einzelfall ab. Die Darstellung ist allgemein und keine Rechts- oder Steuerberatung.

Fazit

Stablecoins sollen an einen Referenzwert gebunden bleiben, doch die Bindung hängt an der Deckung. Geld in Reserve, Kryptowerte als Sicherheit und Algorithmen tragen unterschiedlich weit; der Fall TerraUSD im Mai 2022 ist ein Beispiel dafür, warum die BIS algorithmische Stablecoins für weniger stabil hält, als ihre Herausgeber behaupten. In der EU gelten seit 30. Juni 2024 Regeln für Herausgeber. In der Schweiz beurteilt die FINMA nach der wirtschaftlichen Funktion. Die Vernehmlassung zur Vorlage für ein neues Gesetz endete am 6. Februar 2026; die Vorlage ist nicht in Kraft.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.

Können Stablecoins ihren Wert verlieren?

Ja. Die BIS hält insbesondere algorithmische Stablecoins für weniger stabil, als ihre Herausgeber behaupten. TerraUSD fiel im Mai 2022 laut BIS auf fast null, ein anderer grosser Stablecoin sank in dieser Zeit vorübergehend auf 0,95 US-Dollar.

Gibt es in der Schweiz ein Gesetz nur für Stablecoins?

Die FINMA beurteilt Stablecoins in der Schweiz nach ihrer wirtschaftlichen Funktion. Ein Gesetzesentwurf zur Änderung des Finanzinstitutsgesetzes war vom 22. Oktober 2025 bis 6. Februar 2026 in der Vernehmlassung, also in der öffentlichen Anhörung. Die Vorlage ist kein geltendes Recht.

Was ist ein Zahlungsmittelinstitut?

So heisst eine neue Bewilligungskategorie, die der Bundesrat in seiner Vorlage vom 22. Oktober 2025 vorschlägt. Sie soll die bisherige Bewilligung für Fintech-Firmen ersetzen, und solche Institute sollen eine besondere Art von Stablecoins ausgeben dürfen. Die Vorlage ist noch nicht in Kraft.

Was regelt die EU-Verordnung MiCA für Stablecoins?

Für E-Geld-Token dürfen nur E-Geld-Institute und Kreditinstitute als Herausgeber auftreten, und der Rücktausch zum Nennwert muss jederzeit möglich sein. Vermögenswertreferenzierte Token brauchen eine Zulassung der Aufsicht und eine offengelegte Reserve. Die Stablecoin-Regeln gelten seit 30. Juni 2024.

Worin unterscheiden sich Stablecoin und Bitcoin?

Ein Stablecoin soll an einen Referenzwert wie den US-Dollar gebunden bleiben, und ein Herausgeber stützt diese Bindung. Bitcoin ist an keinen Referenzwert gebunden, und sein Preis schwankt frei.

Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Die Inhalte berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele oder Ihre Risikobereitschaft. Lassen Sie sich vor einem Anlageentscheid von einer Fachperson beraten.

Anlagen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Prognose.

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