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Risikoprämie erklärt: Wofür Anlegende entschädigt werden
Risikoprämie einfach erklärt: Wofür Anlegende entschädigt werden, was Zahlen aus der Vergangenheit zeigen und in welchen Phasen die Prämie ausblieb.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Risikoprämie ist der erwartete Renditeabstand zwischen einer risikobehafteten und einer risikoarmen Anlage und keine Zusage.
- Es gibt vier Grundbausteine, nämlich die Aktien-, Laufzeit-, Kredit- und Volatilitätsprämie, und jede entschädigt für ein anderes Risiko.
- Schweizer Aktien brachten von 1900 bis 2025 nominal 6,8% pro Jahr, Schweizer Obligationen 3,9%, die Aktien lagen also 2,9 Prozentpunkte vorn (Stand: 31. Dezember 2025).
- Die Prämie kann ausbleiben: Von 2000 bis 2009 lagen Schweizer Aktien in der eigenen Rechnung bei rund 1,1% pro Jahr, Obligationen bei rund 3,7%.
Eine Risikoprämie ist der Renditeabstand, den Anlegende für ein zusätzliches Risiko erwarten. Sie ist eine Erwartung und keine Zusage: Ob sie eintrifft, zeigt sich erst im Rückblick.
Schweizer Aktien brachten von 1900 bis 2025 im Schnitt 2,9 Prozentpunkte pro Jahr mehr als Schweizer Obligationen (Stand: 31. Dezember 2025). In den Jahren 2000 bis 2009 war es umgekehrt. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Kurz erklärt
Risikoarme Anlage
Risikobehaftete Anlage
Rendite und Prozentpunkte
Obligation
Was ist eine Risikoprämie?
Wer Geld in eine Anlage steckt, deren Wert stark schwankt, trägt ein Risiko und erwartet dafür eine höhere Rendite als bei einer risikoarmen Anlage. Der Abstand zwischen beiden erwarteten Renditen heisst Risikoprämie. Mit der Optionsprämie, dem Preis einer Option, hat das Wort nichts zu tun. Wie diese als Ertragsquelle funktioniert, erklärt der Beitrag über drei Quellen regelmässiger Erträge.
Entscheidend ist der Unterschied zwischen erwartet und eingetreten. Die Prämie beschreibt, was vorab erwartet wird. Die tatsächliche Rendite kann darüber oder darunter liegen.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Eine risikoarme Anlage bringt 1% pro Jahr. Für eine Anlage mit Risiko werden 5% pro Jahr erwartet. Die erwartete Prämie beträgt also 4 Prozentpunkte.
CHF 10'000 bleiben zehn Jahre angelegt. Die Erträge werden jedes Jahr wieder angelegt, Kosten und Steuern fehlen. Die risikoarme Anlage wächst auf CHF 11'046.
Bei der Anlage mit Risiko gibt es drei mögliche Verläufe. Tritt die Prämie ein (5% pro Jahr), sind es CHF 16'289. Bleibt sie aus (1% pro Jahr), sind es ebenfalls CHF 11'046. Wird die Rendite negativ (−2% pro Jahr), sind es CHF 8'171. Die Werte sind frei gewählt, gerundet und keine Prognose.
Zahlenbeispiel (Illustration)
Dieselbe erwartete Prämie führt nach zehn Jahren zu ganz verschiedenen Beträgen
CHF 10'000, zehn Jahre angelegt. Erwartet werden 5% pro Jahr gegenüber 1% bei einer risikoarmen Anlage. Der Betrag der risikoarmen Anlage beträgt CHF 11'046. Werte frei gewählt, gerundet, ohne Kosten und Steuern.
Zahlenbeispiel der Redaktion, keine Marktdaten und keine Prognose.
Die Risikoprämie ist eine Erwartung. Ob sie eintrifft, zeigt erst der Rückblick.
Vier Prämien für vier Risiken
Hinter dem Wort stecken mehrere Prämien. Der Fondsanalyst Ali Masarwah schreibt in einer Gastkolumne auf Deutsche Börse live (September 2026), jede Prämie entschädige für eine eigene schlechte Zeit. Aktien litten in Rezessionen, Kredite im Ausfallzyklus. Gemeint sind Phasen, in denen viele Schuldner nicht zahlen können.
Aktienprämie. Sie entschädigt für Kursschwankungen. Als gängiges Mass nennt der Anlageexperte Luca Liebi vom VZ Vermögenszentrum (22. Oktober 2026) die Gewinnrendite der Aktien minus die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen. Die Gewinnrendite ist der Gewinn je Aktie geteilt durch den Kurs. Es ist ein Mass unter mehreren.
Laufzeitprämie. Die Rendite einer Staatsanleihe lässt sich zerlegen: in die erwarteten künftigen kurzfristigen Zinsen und die Laufzeitprämie. Diese entschädigt dafür, dass sich kurzfristige Zinsen anders entwickeln als erwartet. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) untersuchte 2018 in einem Arbeitspapier Terminverträge auf kurzfristige Frankenzinsen (Libor-Futures). Die Laufzeitprämie war dort im Durchschnitt null. Sie schwankte aber über die Zeit, und ihr Betrag wuchs mit der Zinsunsicherheit. Wie Anleihekurse auf Zinsänderungen reagieren, zeigt der Beitrag über Anleihekurse bei steigenden Zinsen.
Kreditprämie. Sie zeigt sich im Credit Spread, dem Renditeabstand zwischen Anleihen ähnlicher Laufzeit, aber unterschiedlicher Bonität. Bonität heisst: wie zahlungsfähig der Schuldner ist. Meist ist es die Rendite einer Unternehmensanleihe minus die einer Staatsanleihe gleicher Laufzeit, angegeben in Basispunkten (ein Basispunkt sind 0,01 Prozentpunkte). Ökonomen der US-Notenbank zeigen, dass das erwartete Ausfallrisiko nicht den ganzen Spread erklärt. Den Rest, also den Zuschlag über den erwarteten Ausfall hinaus, nennen sie Excess Bond Premium.
Volatilitätsprämie. Volatilität ist die Schwankungsbreite eines Kurses. Die Volatilitätsrisikoprämie entschädigt dafür, Risiken aus abrupten Änderungen dieser Schwankung zu tragen. Geschätzt wird sie über einen Vergleich. Auf der einen Seite steht die implizite Volatilität, also die aus Optionspreisen abgeleitete erwartete Schwankung (etwa der Volatilitätsindex VIX). Auf der anderen Seite steht eine Prognose der tatsächlichen Schwankung. Wie die erwartete Schwankung Optionspreise bestimmt, beschreibt der Beitrag über den Einfluss der Volatilität auf Optionspreise.
Was Zahlen aus der Schweiz zeigen
Pictet Wealth Management, die Vermögensverwaltung der Bankengruppe Pictet, veröffentlicht die Studie «Schweizer Aktien und Obligationen». Sie erschien erstmals 1988 und wird seit 1998 jährlich aktualisiert. Die Ausgabe 2026 reicht von 1900 bis 2025 (Stand: 31. Dezember 2025). Die Renditen verstehen sich ohne Kosten und Steuern. Angegeben ist der Durchschnitt pro Jahr, mit Zinseszins gerechnet. «Nominal» heisst vor, «real» nach Abzug der Teuerung, die in der Schweiz im Schnitt 2,1% pro Jahr betrug.
| 1900–2025, pro Jahr | Nominal | Real |
|---|---|---|
| Schweizer Aktien | 6,8% | 4,6% |
| Schweizer Obligationen | 3,9% | 1,8% |
| Mehrrendite der Aktien | 2,9 Prozentpunkte | 2,8 Prozentpunkte |
Dafür schwankten Aktien stärker. Die Standardabweichung der Jahresrenditen, ein Mass für die Streuung um den Durchschnitt, lag bei 18,5%, bei Obligationen bei 5,2%. Das schlechteste Jahr brachte Aktien −34,0% (2008) und Obligationen −12,1% (2022). Das beste Jahr brachte Aktien +61,4% (1985) und Obligationen +28,4% (1922).
Die Mehrrendite ist ein Abstand zwischen zwei Anlagen mit Risiko, nicht der Abstand zu Bargeld. Auch Obligationen können verlieren, wie 2022. Die 2,9 Prozentpunkte sind deshalb keine Aktienprämie im engen Sinn, zeigen aber, was Aktien im Vergleich zu Obligationen brachten.
Wann blieb die Prämie aus?
Der Zeitraum entscheidet. Die Tabelle zeigt denselben Vergleich für vier Abschnitte.
| Zeitraum | Aktien pro Jahr | Obligationen pro Jahr | Mehrrendite der Aktien |
|---|---|---|---|
| 1900–2025 (126 Jahre) | 6,8% | 3,9% | +2,9 Prozentpunkte |
| 1965–2025 (61 Jahre) | 7,8% | 4,0% | +3,8 Prozentpunkte |
| 2005–2025 (21 Jahre) | 7,2% | 1,7% | +5,5 Prozentpunkte |
| 2000–2009 (10 Jahre) | rund 1,1% | rund 3,7% | Obligationen vorn |
Schweizer Aktien und Obligationen, nominal, nach Pictet (Stand: 31. Dezember 2025). Die letzte Zeile ist eine eigene Rechnung aus den Jahreswerten der Pictet-Tabelle.
In diesen zehn Jahren stiegen Schweizer Aktien von Ende 1999 bis Ende 2009 um 12,0%, Obligationen um 43,6%. Zwischendurch verloren Aktien 22,0% (2001), 26,0% (2002) und 34,0% (2008). Pictet zählt ausserdem acht Zehnjahreszeiträume, in denen Schweizer Aktien eine negative Rendite brachten, vor allem im Umfeld des Ersten Weltkriegs und des Börsencrashs von 1929.
Ein getrenntes Beispiel aus den USA: Nach den Jahreswerten von Aswath Damodaran (NYU Stern) verlor der S&P 500, ein Index grosser US-Unternehmen, mit Dividenden von 2000 bis 2009 im Schnitt rund 1% pro Jahr. Dreimonatige US-Schatzwechsel, kurzlaufende Schuldpapiere des Staates, brachten rund 2,8% pro Jahr (eigene Rechnung aus den Jahreswerten). Die beiden Beispiele gehören zu verschiedenen Märkten und lassen sich nicht gleichsetzen.
Risiken und Grenzen
- Verluste: Eine Risikoprämie ist keine Garantie. Aktien können stark fallen, Schweizer Aktien verloren 2008 34,0%. Auch Obligationen verlieren, 2022 waren es 12,1%.
- Kredit und Schwankung: Bei der Kreditprämie droht ein Zahlungsausfall des Schuldners, bei der Volatilitätsprämie ein abrupter Anstieg der Schwankung. Verluste sind in beiden Fällen möglich.
- Gleichzeitige Verluste: Masarwah schreibt in seiner Gastkolumne vom 7. September 2026: «Es gibt einen Zustand, in dem alles fällt: in Liquiditätskrisen.» Gemeint sind Phasen, in denen sich Anlagen nur schwer verkaufen lassen. Er nennt 2008 und 2020 als Beispiele. Das ist seine Meinung. Nach Pictet verloren Schweizer Aktien seit 1900 in 37 Jahren, in 29 davon legten die Obligationen zu. Was Streuung leisten kann und wo sie endet, beschreibt der Beitrag zur Diversifikation.
- Kosten und Steuern: Die Zahlen oben enthalten keine. Im Rechenbeispiel von Pictet werden aus CHF 1'000 im Jahr 1900 statt CHF 3,97 Mio. nur CHF 2 Mio., wenn jedes Jahr 50 Basispunkte Kosten abgezogen werden.
- Zeitraum und Messung: Die Mehrrendite hängt vom Zeitraum ab. Die Pictet-Zahlen gelten für die Schweiz und lassen sich nicht auf andere Märkte übertragen. Der Vergleich mit Obligationen ist nicht der Vergleich mit Bargeld.
- Zahlenbeispiel: Die Werte im Beispiel sind frei gewählt. Reale Verläufe weichen ab.
Fazit
Die Risikoprämie ist der erwartete Zusatzertrag für ein Risiko und besteht aus mehreren Bausteinen: Aktien-, Laufzeit-, Kredit- und Volatilitätsprämie. Schweizer Aktien lagen von 1900 bis 2025 im Schnitt 2,9 Prozentpunkte pro Jahr vor Schweizer Obligationen. Je nach Zeitraum fällt der Abstand anders aus, und von 2000 bis 2009 lagen die Obligationen vorn. Erwartet ist die Prämie, eingetreten ist sie erst im Rückblick.
Fragen & Antworten
Häufige Fragen rund um dieses Thema, kurz beantwortet.
Was ist der Unterschied zwischen Risikoprämie und Rendite?
Die Rendite ist der Ertrag einer Anlage in Prozent. Die Risikoprämie ist der Abstand zwischen den erwarteten Renditen einer risikobehafteten und einer risikoarmen Anlage. Im Beispiel sind es 5% minus 1%, also 4 Prozentpunkte.
Bekommen Anlegende die Risikoprämie immer?
Nein. Die Prämie ist eine Erwartung, die tatsächliche Rendite kann darunter liegen. Von 2000 bis 2009 brachten Schweizer Aktien in der eigenen Rechnung aus den Pictet-Jahreswerten rund 1,1% pro Jahr, Schweizer Obligationen rund 3,7%.
Wie hoch war die Aktienprämie in der Vergangenheit?
Pictet misst die Mehrrendite von Schweizer Aktien gegenüber Schweizer Obligationen: 2,9 Prozentpunkte pro Jahr von 1900 bis 2025 (nominal, Stand: 31. Dezember 2025). Je nach Zeitraum waren es 3,8 Prozentpunkte (1965 bis 2025) oder 5,5 Prozentpunkte (2005 bis 2025). Der Vergleich gilt gegenüber Obligationen, nicht gegenüber Bargeld.
Ist eine Kreditprämie dasselbe wie ein Zinsaufschlag?
Die Kreditprämie zeigt sich als Renditeaufschlag, im Credit Spread. Er entschädigt nicht nur für erwartete Ausfälle: Ökonomen der US-Notenbank trennen davon einen Teil ab, den sie Excess Bond Premium nennen.
Warum gibt es mehrere Arten von Risikoprämien?
Jede Prämie gehört zu einem anderen Risiko: Kursschwankungen bei Aktien, Zahlungsausfälle bei Unternehmensanleihen, unerwartete Zinsen bei langen Laufzeiten und abrupte Änderungen der Schwankung bei der Volatilitätsprämie.
Wichtige Hinweise Information, keine Anlageberatung oder Kaufaufforderung. Anlagen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
Die Inhalte berücksichtigen nicht Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele oder Ihre Risikobereitschaft. Lassen Sie sich vor einem Anlageentscheid von einer Fachperson beraten.
Anlagen in Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Zahlenbeispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Prognose.
Angaben Dritter stammen aus als zuverlässig erachteten Quellen; für ihre Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen. Marktdaten beziehen sich auf den angegebenen Datenstand und können sich seither verändert haben.


